Besitzgeschichte und Wirtschaftsordnung Kloster St. Alban (Mainz)

Besitzgeschichte

Stadtansicht - 1633 Merian d.Ä.
Stadtansicht - 1632 Wenzel Hollar

Aufgrund der äußerst schlechten Überlieferungslage kann über die klösterliche Besitzentwicklung im frühen und hohen Mittelalter so gut wie nichts gesagt werden. Schon um die Mitte des 8. Jahrhunderts, also noch vor Errichtung der großen Klosteranlage durch Erzbischof Richulf, erscheint St. Alban, also wohl die hier bestehende klösterliche Gemeinschaft, als Grundstücksanlieger in Mainz und an anderen Orten.

Die Gründungsausstattung von 805 muss, wenn man sie in Relation zur Größe der Klosteranlage  und zur Bedeutung des Klosters in den folgenden Jahrhunderten sieht, beträchtlich gewesen sein, zumal Karl der Große, der ohnehin an Gründung und Ausstattung des Klosters beteiligt gewesen sein soll, das Klostervermögen im Zusammenhang mit der Beisetzung seiner Gemahlin Fastrada im Jahre 794 sicher noch um einiges mehr vergrößert hat. Auch den Reliquienschatz von St. Alban hat er in diesem Zusammenhang beträchtlich erweitert. Ähnliches galt sicher auch für Otto I. im Zusammenhang mit der Bestattung seiner drei Kinder in St. Alban, nicht minder aber wohl auch für die zahlreichen anderen in St. Alban bestatteten geistlichen und weltlichen Großen. Die große Zahl der im Laufe des Mittelalters nachweisbaren Eigenkirchen, inkorporierten Pfarreien und Patronatsrechte des Klosters, die ja zumeist noch mit weiteren wichtigen Gerechtsamen, Einkünften und sonstigen Besitz verbunden waren, kann als ein deutliches Indiz für den reichen Besitz der Abtei in den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens gewertet werden. Dementsprechend konnte bis 1419 Besitz von St. Alban an immerhin 179 Orten nachgewiesen werden. Dieser Besitz konzentrierte sich hauptsächlich im Gebiet des heutigen Rheinhessen, namentlich auch im Raum der unteren Nahe,  im Rhein-Main-Gebiet zwischen Mainz und Hanau und südlich des Mains bis Stockstadt (Kreis Groß Gerau). Weiterhin im Gebiet der Wetterau, an der Lahn südlich von Limburg und um Gießen, im Raum Frankenberg um Röddenau sowie in der Gegend von Kassel um (Ahnatal-) Weimar. Fernbesitz konnte auch in Deutenheim in Mittelfranken (Kreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim) nachgewiesen werden. Auch in der Pfalz muss St. Alban über Besitz verfügt haben, da Ende des 12. Jahrhunderts dem Kloster Otterberg einige in seiner Nachbarschaft ansässige Wachszensualen überlassen wurden. Dass St. Alban auch über reichen Besitz in Mainz und im direkten Umfeld der Stadt verfügte, versteht sich fast von selbst; schon 756 wird dieser urkundlich fassbar.

Wirtschaftsordnung

Mühlen

1104 erhielt St. Alban eine Rheinmühle in Mainz an der „Rachada“, dem Ort, wo die Rheinmühlen an den Pfeilern der alten Römerbrücke verankert waren. Vielleicht ist diese Mühle identisch mit jener, die im Jahre 1408 Hirburt, der Bäcker am Roten Turm samt Mühlwasser „off dem Ryne vor Mentze“ vom Kloster erhielt. Auch außerhalb von Mainz besaß St. Alban zahlreiche Mühlen, so etwa die Frauen- oder Klostermühle an der Nahe oder zwei Mühlen, die 1092 in der Gegend von Oberneisen erwähnt werden.

Stadthöfe

Im Zusammenhang des Immobilienbesitzes von St. Alban in Mainz kam im späten Mittelalter einigen Höfen im südlichen Stadtteil Selenhofen eine besondere Bedeutung zu, da sie nach der Zerstörung der Klostergebäude auf dem Albansberg 1329 den eigentlichen Mittelpunkt des Klosterlebens bildeten; der Name eines dieser Häuser, „Abtei St. Alban“, verdeutlicht dies. Die anderen Höfe waren der „Sänger Karl“, das „Hohe Haus“, der Hof „Zum Stein“ und der Hof „Zum Botschuwe“, der früher „Zum Selhoven“ hieß.

Münz- und Marktrechte

1518 erhielt das Stift St. Alban von Kaiser Maximilian das Privileg verliehen, Goldgulden zu schlagen.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Alban. Besitzgeschichte und Wirschaftsordnung. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-alban/besitzgeschichte-und-wirschaftsordnung.html> (Letzter Aufruf: 18.11.19)