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Die Andreaskirche in regionalgeschichte.net

Bau- und Kunstgeschichte

0.1.Kirche

Andreaskirche - Innenraum[Bild: Preiss/Deutsche Stiftung Denkmalschutz]

Spätmittelalterliche Quellen berichten von der Anlehnung der alten Andreaskirche an die Martyrertradition. Nachweislich war sie die Grablege für die Wormser Bischöfe Bernhardus (+ 825/6) und (wahrscheinlich ) Fokwich (+ zwischen 830 und 833). Daneben sind auf dem Gebiet der alten Kirche Grabsteine aus dem 7. oder 8.Jh. gefunden worden.
Verbunden ist die alte Andreaskirche mit der Legende der drei heiligen Jungfrauen Embede, Warbede und Wilbede. Die Kirche und die Nebengebäude fielen nach der Verlegung des Stiftes an das Kloster der Reuerinnen.

Eine Urkunde Bischof Konrads II. von Sternberg (1173/1192) bezeichnet den Zustand der Stiftskirche als beklagenswert. Der Bischof von Münster, Heinrich II. von Katzenelnbogen, bestätigte 1181 seinem Bruder Diether, der Stiftspropst an St.Andreas war, eine Schenkung. Der Betrag diente wahrscheinlich Bauzwecken.

Wegen des schlechten Zustandes von Kirche (und Stiftsgebäuden) wurde verfügt, dass Einkünfte vakanter Präbenden für vier Jahre zum Besten der Kirchenfabrik (Vermögensmasse zur Bauerhaltung der Gebäude und der Bestreitung der Kosten des Gottesdienstes) verwendet werden sollten, um die Kosten für die Wiederherstellung der Kirche sowie der Stiftsgebäude zu bestreiten. (vgl. Abschnitt Stiftsgebäude), d.h. die Präbenden wurden nicht besetzt, um die so frei werdenden Mittel nutzen zu können. Auch eine Urkunde des Legaten Papst Innozenz‘ III. (1198/1216) verfügte, die Mittel aus Präbenden für die Baumaßnahmen zu verwenden.

Andreaskirche - Kreuzgang[Bild: Torsten Schrade]

Es ist davon auszugehen, dass der Bau der Andreaskirche in ihrer heutigen Form im Zeitraum 1180-1200 entstand. Es handelt sich um eine dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit sechs Jochen. Den Westflügel des Stiftskreuzgangs datiert Böcher in die Zeit vor 1190, das eindrucksvolle Hauptportal in die Zeit um 1190.
Zwei fünfgeschossige Türme mit quadratischer Grundfläche flankieren im Osten den Hauptchor der Kirche. An ihnen sind Reste alter Bausubstanz erkennbar. Die außen rechteckige Apsis hat innen eine halbrunde Form. Eine halbrunde Form haben die Apsiden der Seitenschiffe. Ebenfalls noch mittelalterliche Bausubstanz findet sich an der Westwand der Kirche.
Unter dem Chor befindet sich eine Gruft. In ihr wurden 1326 70 auf dem Andreasfriedhof ausgegrabene Särge beigesetzt.
Spätere Umbauten ergänzten das Gebäude um gotische Elemente.
Inwieweit die Kirche durch den Stadtbrand vom 12.4.1242 betroffen war, lässt sich aus den Quellen nicht eindeutig belegen. An den östlichen Kreuzgangflügel wurde im 1300 eine Kapelle angeschlossen., die Maria oder Katharina geweiht war.
Aus dem 15.Jh. stammt ein sehenswertes Sakramentshäuschen aus Stein (neben Chorportal zum nördlichen Turm).
Der südliche Kreuzgangflügel entstand nach der Bauinschrift im Jahr 1612, doch schuf man ihn in gotischen Formen.
Schäden entstanden beim großen Stadtbrand am 31.5.1689. Zerstört wurden Dächer und ein Teil der Gewölbe der Kirche sowie der östliche Kreuzgangflügel. Mit ihm ging die an ihn anschließende Kapelle unter.
Erst zu Beginn des 18.Jhs begann das Stift mit dem Wiederaufbau, der zudem nur schleppend voranging (erst 1761 waren die Baumaßnahmen abgeschlossen). Das Kirchenschiff wurde bei den Renovierungsmaßnahmen verkürzt. Die Türme erhielten nun eine barocke Zwiebelhaube.
Der Garten im Stiftshof wurde 1782 umgestaltet.
Nach den Zerstörungen des Jahres 1945 wurde sehr bald mit dem Wiederaufbau begonnen. Die barocken Turmhauben wurden nicht wiederhergestellt.

0.3.Stiftsgebäude

Grundriss Andreasstift Worms

Bei der Verlegung wurden die Stiftsgebäude in die Stadtummauerung eingebunden. Stiftsgebäude und Kanonikerhäuser werden 1178 urkundlich erwähnt.
In einer Urkunde ist die Rede davon, dass die Gebäude des Stiftes in Trümmern lägen, was auf eine schlechte finanzielle Situation des Stiftes verweist.

Ob und wenn wie stark die Stiftsgebäude durch den Stadtbrand am 12.4.1242 betroffen waren, lässt sich anhand der Quellen nicht sicher belegen. Die Annales Wormatienses berichten 1278 rückblickend pauschal für den von der Katastrophe betroffenen Süden der Stadt von Schäden an Gebäuden und Vorräten (Wein, Weizen).

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - St. Andreas. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-st-andreas/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 19.05.19)