Besitzgeschichte und Wirtschaftsgeschichte

0.1.Besitzgeschichte

Mit der Verlegung des Stiftes war eine Neuausstattung mit Besitz verbunden.
Bereits 1968 war angeblich eine Neuordnung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Stiftes durch Bischof Adalbero ( (1065/69) notwendig geworden. Nach dem Tod Bischof Burchards (1025) hatte die (wirtschaftliche) Entwicklung des Stiftes eine negative Richtung genommen. Die Rede ist von Nachlässigkeit der Stiftspröpste. Ähnlich wie bei St.Paul hatte sich die geplante ökonomische Konsolidierung auch im Andreasstift nicht in ausreichendem Maße vollzogen.
Eine ökonomische Neuordnung erfolgte dann um 1141 unter Bischof Burchard II. (1115/1141). Ab diesem Zeitpunkt findet sich eine dichtere Überlieferung bischöflicher Urkunden, die die Ausstattung des Stiftes behandeln. Sie ist im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Förderprogramm des Bischofs für die Stifte zu sehen. Die Rede ist von Bestätigungen der durch Burchard und Adalbert getroffenen Bestimmungen, wobei allerdings fraglich ist, ob die genannten Bestimmungen in dieser Art tatsächlich bestanden haben,
Die in der gefälschten, auf 1068 datierten, Urkunde genannten Orte sind zweifelsfrei in der Urkunde aus dem Jahr 1141 nachweisbar. Es handelte sich dabei um Orte, die im Umfeld des bischöflichen Grundesitzes lagen. Es ist durchaus möglich, dass eine entsprechende Ausstattung mit Besitz und Rechten an den genannten Orten bereits unter Bischof Burchard stattgefunden hat.
Orte, an denen das Stift Besitz oder Rechte besaß waren Bischofsheim (Wüstung bei Lampertheim), Buodenbach (nicht mehr näher zu definierender Ort), Hohen-Sülzen; Littersheim (Wüstung nahe Bobenheim, Kirchenzehnt), Pfiffligheim, Hochheim, (beide heute Wormser Vororte), Frankenthal, Rheindürkheim, Hofheim/Ried, Ladenburg, Lampertheim, Albisheim, Logenach (heute nicht mehr eindeutig zu identifizieren), Oppenheim (oder Abenheim), Osthofen Roxheim, Wachenheim a.d. Pfrimm, Flörsheim, Bockenheim, Sausenheim, Dirmstein, Karlbach, Framersheim Mettenheim Ein weiterer Güterkomplex lag vor dem Wormser Andreastor, wahrscheinlich in der Nähe des jüdischen Friedhofes. Selbstverständlich verfügte das Stift auch innerhalb der Stadt Worms über Besitz. Eindeutig zu identifizieren ist hierbei die Bezeichnung Glascoph (herzuleiten „Glachbecher“), wobei es sich wahrscheinlich um ein Haus (in der Nähe der Magnuskirche) handelte. Als „Glaskopf“ wird noch heute das Gebiet zwischen Dom und Jugendherberge in Worms bezeichnet.

Um 1180 scheint die wirtschaftliche Lage des Stiftes schlecht gewesen zu sein (Vgl. Abschnitt Stiftsgebäude).

1208 wurde dem Stift durch eine Wormser Bürgerin ein Hof geschenkt.
Weitere Schenkungen durch Wormser Bürger sind im 13.Jh. zu verzeichnen.

Bei der zu Beginn des 19.Jh. durchgeführten Versteigerung des linksrheinsich gelegenen säkularisierten Stiftsgutes, das jetzt Nationalgut war, ist Stiftsbesitz nachgewiesen in Alsheim, Beindersheim, Bobenheim, Eppstein, Hangen-Weisheim, Hohen-Sülzen, Klein-Niedesheim, Lambsheim, Mundenheim, Rheindürkheim, Ungestein, sowie in den heutigen Wormser Vororten Herrnsheim, Hochheim, Neuhausen, Pfeddersheim und Pfiffligheim und selbstverständlich in Worms selbst.
Das Heilig-Geist-Hospital (es lag im Bereich der heutigen Speyerer Straße / Willy-Brand-Ring), das von Beginn an „unter bürgerlicher Mitwirkung und Aufsicht“ (Bönnen, S.24) stand, hatte Zins an die Pfarrkirche des Stiftes, St.Magnus zu entrichten. Die Zinspflicht lastete auf einem Haus, das ein Bürger dem Spital verkauft hatte, In einer Urkunde vom 25.5.1265 ist die Rede davon, dass die Abgaben in Öl bestanden.

0.2.Wirtschaftsordnung

Der Besitz von Wingerten ist klar nachzuweisen in den Orten Bockenheim, Sausenheim, Dirmstein, Karlbach, Framersheim und Mettenheim. Weinbau betrieben wurde auch in der Wormser Vorstadt, in Monsheim, Hochheim, Littersheim und Pfiffligheim.

0.3.Wirtschaftshöfe, Grangien, Landnutzung

Höfe sind in den mittelalterlichen Quellen genannt für Bischofsheim, Buodenbach und Hohen-Sülzen. Für Hohen-Sülzen ist 1141 auch die Rede von der curtis publica des Propstes von St.Andreas, einem Hof, der der Beherbung Fremder diente.

0.4.Mühlen, Fabriken, Brauereien und andere Gewerke

Mühlen besaß das Stift in Oppenheim (unsichere Lesart. vielleicht auch zu lesen als Abenheim ) und Pfiffligheim. Auch im Zusammenhang mit der Michaelskapelle wird auf eine Mühle hingewiesen.

0.5.Handel

Auf eine Einbindung in das Wirtschaftsleben der Stadt deutet hin, dass das Stift über ein Rheinschiff verfügte. Daraus dürften sich Verbindungen zum wirtschaftlichen Leben in Worms entwickelt haben.

0.6.Stadthöfe

Innerhalb der Stadt verfügte unter den Stiften das Andreasstift über den umfangreichsten Grundbesitz. Neun Stadthöfe werden 1141 erwähnt. Eine Besitzkonzentration lässt sich in der Nähe der Margarethenkapelle im Süden von Worms nachweisen. Der Schwerpunkt lag in der Nähe der Andreaskirche selbst und der Magnuskirche und damit im Pfarrbezirk des Stiftes.
Weiterer Stiftsbesitz innerhalb der Stadt lag am Obermarkt, im Bereich Friesengasse/Judengasse und der (heute nicht mehr zu lokalisierenden) Sattlergasse. Weiterer Besitz befand sich in der Hagenstraße und in der heutigen Petersstraße. Ein weiterer Hof, der klar zu lokalisieren ist, lag an der Pfauenpforte.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Martina: Worms - St. Andreas. Besitzgeschichte und Wirtschaftsgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/worms-st-andreas/besitzgeschichte-und-wirtschaftsgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 19.05.19)