Klöster in Rheinhessen

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Bauausstattung

Die Fenster von Marc Chagall

St. Stephan - Chagallfenster[Bild: IGL]

Bei der Entfernung der nach dem 2. Weltkrieg eingebauten Notverglasung im Ostchor wurden Anfang 1973 Überlegungen angestellt, zumindest in den Mittelfenstern eine Buntverglasung anzubringen. Beeindruckt von den Kirchenfenstern, die Marc Chagall in Jerusalem und Zürich geschaffen hatte, nahm Klaus Mayer, der damalige Pfarrer von St. Stephan, mit dem Künstler Kontakt auf, der „nach vielen Briefen und später auch Begegnungen“ (Klaus Mayer, Die Kirchenfenster von Marc Chagall zu St. Stephan in Mainz, S. 481) im Dezember 1976 im Alter von fast 90 Jahren den Entwurf für das Mittelfenster schuf. Im September 1978 konnte dieses Fenster, das dem „Gott der Väter“ gewidmet ist, eingebaut werden.
Ursprünglich sollte dieses das einzige Fenster bleiben und so war man von der Nachricht äußerst überrascht, dass der Künstler bereits an den beiden flankierenden Mittelfenstern arbeitet. In ihnen, die 1979 fertiggestellt waren, gestaltete der jüdische Künstler seine Vision der Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Ewigen Sabbat. Obwohl mittlerweile schon fast 93 Jahre alt, ging Chagall nun auch an die Gestaltung der drei seitlichen Fenster des Ostchors und nach deren Übergabe 1981 auch noch an die Entwürfe für die großen dreibahnigen Fenster des Querhauses, in welchen er auf figürliche Darstellungen verzichtete und nur noch mit Farben gestaltete. Wenige Monate vor seinem Tod am 28. März 1985 konnte der Künstler an diesen Fenstern noch die Schwarzlotmalerei vollenden. Danach schuf auf Chagalls Wunsch sein langjähriger Mitarbeiter und Freund Charles Marq vom Glasatelier Jacques Simon in Reims noch die Fenster im nördlichen und südlichen Langhaus, die von der Farbe und Gestaltung her als Hinführung zu den Fenstern Marc Chagalls konzipiert sind.

Der Kreuzgang

St. Stephan - Kreuzgang mit Brunnen[Bild: IGL]

Neben der Kirche selbst mit ihren Chagallfenstern lohnt auch ein Besuch des sehr schönen, 1499 fertiggestellten spätgotischen Kreuzganges. Dieser wurde wie die Stephanskirche selbst stark von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs getroffen, nachdem schon die Explosion eines nahen Pulverturmes im Jahre 1857 schwere Schäden angerichtet hatte.  In den Jahren 1968 bis 1971 wurde er wiederhergestellt. In seiner Mitte befindet sich ein ursprünglich 25 m tiefer Ziehbrunnen, der nach dem 2. Weltkrieg zugeschüttet wurde, der aber wieder auf eine Tiefe von 10 m ausgehoben werden soll. Ursprünglich besaß er eine sechseckige Überdachung, die aber nicht wiederhergestellt werden soll. In den Sommermonaten finden im Kreuzgang von St. Stephan stimmungsvolle Kreuzgangkonzerte statt, deren Termine man einem Newsletter der Pfarrei St. Stephan entnehmen kann: www.st-stephan-mainz.de.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Stephan. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-stephan/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 14.11.19)