Geschichtlicher Abriss Kloster Marienthal (Dernau)

Geschichtlicher Abriss

Kloster Marienthal - Grundriss und Klosterkirche

Dernau wurde im Güterverzeichnis der Abtei Prüm von 893 Degernavale, in den Annalen der ehemaligen Abtei Klosterrad (heute Rolduc in Niederländisch-Limburg) 1106 Degernoven genannt.

Viele adelige, aber auch bürgerliche Frauen strömten besonders im 12. Jahrhundert auf der Suche nach einem klösterlichen Leben nach Springiersbach oder in die von dieser Gründung initiierten Frauenklöster. Zumindest in der Anfangsphase waren die nach der Augustinerregel lebenden Gemeinschaften in der Regel Doppelklöster. So bestand spätestens 1107 in Klosterrath ein Doppelstift. Bald kam es zu Unstimmigkeiten über das weitere Zusammenleben von Männern und Frauen. Nach zwei Fehlversuchen richtete Abt Borno 1126 in Klosterrad neben dem Kanoniker- einen eigenständigen Kanonissenkonvent bei der Pfarrkirche des Ortes ein. In einem im Obergeschoß des Glockenturms hergerichteten Raum hielten die Schwestern ihren eigenen Chordienst ab, so wie ihn auch die Kanoniker vollzogen. Vor allem Graf Adolf von Saffenberg unterstützte die Kanonissen. 1136 stellte er den Schwestern zusätzlich zum Besitz seines Ministerialen Rudolf im Hubachtal bei Dernau eigenen Grund in Aussicht. In diesem Zusammenhang findet sich in der Literatur auch der Ministeriale Embrico Mayschoss als Stifter und Gönner der Nonnen.

Auf der Suche nach klösterlichem Leben

Als Vogt der Abtei Klosterrath gab Adolf von Saffenberg Abt Borno die Erlaubnis, den Nonnenkonvent in ein kleines Seitental der Ahr zu verlegen. Abt Borno starb 1137; dies veranlasste seinen Nachfolger zur schnellen Vollendung der von Borno initiierten Klostergebäude. Bereits 1138 wurde in einer provisorischen Kapelle der erste Gottesdienst gehalten werden. 1140 überführte Abt Johannes 37 Schwestern in das neue Kloster. Die Gründung war damit abgeschlossen. Die Weihe der Kirche erfolgte 1141 durch den Kölner Erzbischof Arnold I. zur Ehre der Muttergottes und des hl. Johannes.

Bereits zu Beginn der Amtszeit von Abt Erpos (1141-1178) wurden zunächst acht Frauen zu Pflege und Ausbesserung der mönchischen Kleidung nach Klosterrath zurückgeholt. Da solche Arbeiten ständig zunahmen, kehrten bald weitere Schwestern ins heimatliche Kloster zurück.

Mit Windesheimer Reform aus der Krise

1336 beschränkte Erzbischof Walram von Köln in Dernau die Zahl der Schwestern einschließlich der Meisterin auf vierzig. 1448 erhielt Kloster Marientahl Besitzungen des Reeser Stifts und das damit verbundene Patronatsrecht. Im gleichen Jahr erfolgte zudem der Erwerb Domhofes in Dernau für 1630 Rheinische Gulden.

Mitte des 15. Jahrhunderts geriet Marienthal in eine innere Krise. Die Gründung verstand sich mehr und mehr als Vorsorgungsanstalt adeliger unverheirateter Frauen. Um dem Niedergang zu begegnen, wurden 1486 im Kloster die Reform von Windesheim eingeführt. Dieser Bewegung schlossen sich Gemeinschaften an, die das monastische Leben im Rahmen der Augustinerregel zu reformieren suchten. Den inneren Neuanfang in Marienthal unterstützten wohl auch Augustinerinnen aus dem Kloster Engelthal bei Bonn, einem Zentrum dieser Bewegung. Mit den inneren Reformbestrebungen einher ging die bauliche Wiederherstellung der Kirche. 1493 wurden fünf neue Altäre errichtet und geweiht. In dieser Zeit wurde Marienthal auch der Leitung Klosterraths entzogen und den vom Diözesanbischof berufenen Kommissaren unterstellt. 1607 allerdings stellten sich die  Marienthaler Schwestern erneut unter die Obedienz Klosterraths.

Während des Dreißigjährigen Kriegs plünderten 1632 schwedische Soldaten die Anlage im Hubachtal. Dabei wurde der Backes zerstört und Teile des Inventars entwendet. Der größte Schaden entstand durch den Verlust des Klosterarchivs. Vor 1640 berichten Chroniken von einem schweren Brand im Kloster. 1646 fackelten französische Truppen unter dem Befehl des Marschalls Turenne die klösterlichen Gebäude bis auf die Grundmauern ab.

Ab 1699 bis Mitte des 18. Jahrhunderts entstand in Marienthal ein Neubau, ohne architektonische Verweise auf die ehemalige mittelalterliche Anlage. Das Kloster erhält nach Süden hin einen großen ummauerten Garten, der sich mit seinen Terrassen  bis zur Ahr erstreckte. Ihren Abschluss finden die kostspieligen Baumaßnahmen 1762 mit der Errichtung des Rokokopavillons, auch „Äbtissinnenhaus“ genannt. Es handelte sich hier wohl die Wohnung des Priors.

Am 23. Januar 1792 besetzten französische Revolutionsheere das linksrheinische Rheinland. Die Klosterinsassinnen flohen zunächst nach Niederprüm. Am 3. November kehrten sie zurück. Am 14. August retteten sie sicn, diesmal mit großem Gepäck auf 9 Karren, auf die rechte Rheinseite nach Arienheller bei Rheinbrohl. Die Meisterin reiste weiter mit zwei Schwestern in das Kloster Marienstatt bei Hachenburg. Klosterarchive, Kirchenparamente und silberne Gerätschaften wurden nach Altenberg bei Wetzlar verbracht.

Aufhebung

Die Aufhebung des Klosters erfolgte endgültig 1801. Zu dieser Zeit waren noch im Kloster beschäftigt: ein Küfer mit Geselle, ein Gärtner mit Burschen, ein Schmied, ein Förster, eine Köchin, zwei Stallknechte, vier Diener für die Weinbergskultur und acht Mägde. Weiterhin wohnten noch Tagelöhner im Klosterbering.  

Während der Säkularisation wurde die prächtige Barockausstattung des Klosters auseinander gerissen. Teile davon  finden sich seitdem  in den Kirchen von Aremberg, Mayschoss und Rech wieder. 1811 wurden die Klostergebäude auf Abbruch verkauft und bis auf den Ostflügel und den Pavillon ausgeschlachtet. Die restliche Anlage wechselte in der Folgezeit wiederholt den Besitzer.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Dernau - Kloster Marienthal. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/dernau-kloster-marienthal/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 27.05.19)