Klöster Eifel-Ahr

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Geschichtlicher Abriss

Stiftsgeschichte

Ein römisches Kastell am Schnittpunkt diverser historischer Handelswege bildete wohl die Grundlage für die Anfänge des Stiftes und der späteren Stadt Münstermaifeld. Ausgrabungen belegen die römischen Örtlichkeit namens „vicus Ambitivus“ (Ambitivum). Weitere Funde eines aufgefundenen Gräberfeldes  auf dem Vorgelände der heutigen Münsterkirche dokumentieren die Besiedelung in fränkischer Zeit. An der Stelle des Kastells soll, so die Literatur,  der Trierer Bischof Modoald (+ 647/49) die Gründung einer ersten Kirche veranlasst haben. Geweiht wurde das neue Gotteshaus dem hl. Martin, dem Hauspatron  des merowingischen Königsfamilie, die auf dem Maifeld über erheblichen Grundbesitz verfügte. Bei der Kirche hatte sich eine Gemeinschaft von Geistlichen gebildet, als "fratres in loco s. Martini" bezeichnet. Die sog. Institutio canonicorum Aquisgranensis von 816 ermöglichte erstmals solchen Zusammenschlüssen, nicht nach der Benediktregel zu leben. Die Gemeinschaft von Weltklerikern, unabhängig und ohne verbindliche Statuten, nahm im Auftrage des Trierer Erzstifts Seelsorge und Sakramentenspendung in den zahlreichen Gemeinden wahr und sorgte auch für den Priesternachwuchs.

Im 9. Jahrhundert hatte sich die Kirche als Zentrum eines weiträumigen Pfarrsprengels mit nahezu zentralörtlicher Bedeutung herausgebildet. Diesem Bedeutungszuwachs wurde  kirchenrechtlich dadurch Rechnung getragen, dass St. Martin die Sonderrolle als "Klein-Archidiakonat" mit exemten Rechtsbereichen zugewiesen wurde. Wahrgenommen wurden sie durch den Propst der spätestens 1103 verstifteten  Klerikergemeinschaft an St. Martin. Im gleichen Jahr trat die Lokalität  als Grundherrschaft  im Besitz des Trierer Erzbischofs in Erscheinung. Das grundherrliche Gericht wurde Ende des 13. Jahrunderts auf Betreiben von Erzbischof  in ein bürgerliches überführt.

Nach der Blüte des Stifts unter Propst Nicolaus von Kues von 1438 bis 1448  verstärkten sich mit dem zunehmenden Reichtum  in internen Probleme um das Amt des Propstes.  Lockerungen der kanonischen Regeln verstärkten die Auflösungstendenzen der Gemeinschaft und bewirkten eine weitere Verweltlichung der Kanoniker.  1515 wurde die Selbständigkeit des Stiftes bei der Wahl des Propstes eingeschränkt. Dies geschah durch die UmwandlungPropstei auf Anordnung Papst Leo X. (1513-1521).  Zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstand unter Erzbischof Otto von Trier die "disciplina choralis" mit einer neuen Chordienstordnung im Rahmen der Reformbestrebungen des Erzbistums.

Ende des 16. Jahrhunderts kam es unter Erzbischof Johann VII.  vonSchönberg (1581-1599)  zu einer Erneuerung der stiftischen Statuten und Ordnungen. Betroffen wurden davon die Gottesdienst- und Seelsorgeordnung, Beteiligung am gemeinschaftlichen Chorgebet und die Wahrnehmung der Aufgaben durch Dekan, Scholastikus und weiterer Dignitäten.

Äussere politische Rahmenbedinungen im 17. Jahrhundert blieben nicht ohne Konsequenzen für das Stift: Am 26. Oktober 1631 fiel Schwedenkönig Gustav Adolf in Münstermaifeld ein. Am 27. März 1689 wurden Stadt und Stift auf Befehl Ludwigs XIV.  in Schutt und Asche gelegt. Nur wenige Häuser wie der ganz in Stein errichtete "Maifelder Hof" innerhalb der Stiftsimmunität überstand den Brand. Am 26. September 1691 wurde Münstermaifeld zerstört, allerdings aufgrund eines Versehens. Der Befehl an General Bouffiers hatte wohl  auf Münstereifel gelautet, der Marschall allerdings Münstermaifeld gelesen.

Stiftsintern kam es wiederholt bis ins 18. Jahrhundert zu Streiterein über Vormachtstellung in der Gemeinschaft und über die Gottesdienstordnung.

Als Konsequenz des Französischen Revolution 1789  wurde ein Jahr später das Erzbistum Trier aufgelöst. Nach der Auflösung der kurztrierischen Regierung in Koblenz und der Etablierung von provisorischen  Regierungen in den vier Departements 1794 erfolgte 1801 für das Rhein-MainDepartements und damit auch für Münstermaifeld die Angliederung an Frankreich.

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(Wie in anderen Kollegiatstiften auch, so veränderte sich mit der Wende zum 13. Jahrhundert in Münstermaifeld die vita communis zunehmend. Nach einer letzten Blüte des Stifts unter Propst Nikolaus von Kues verstärkten sich mit steigendem Reichtum auch die inneren Spannungen vor allem um das Amt des Propstes. Lockerungen der kanonischen Regeln trugen weiter zur Auflösung der Gemeinschaft bei. Die Verweltlichung der Kanoniker nahm zu. Das ursprünglich gemeinsame Leben löste sich immer mehr auf. Dies dokumentierte sich auch im Stiftsvermögen. Einzelne Mitglieder nahmen sich immer mehr Freiheiten heraus und bildeten eigenen Besitz. Andere gingen dazu über, private Häuser zu bauen, Gärten anzulegen. Der zunehmend individualisierende Lebensentwurf mit der Verfolgung von Einzelinteressen erschien vielen als Notwendigkeit und Voraussetzung zugleich.)

Nachnutzung, späteres Schicksal

Am 9. Juli 1802 erfolgte die Auflösung aller Korporationen des ehemaligen Erzstiftes, und damit auch Münstermaifelds. Laut Schenkungsurkunde des letzten Stiftspropstes wurde das Münster Eigentum des jeweiligen Trierer Erzbischofs. Der Besitz wurde 1803 und die Stiftshäuser 1804 versteigert. Nach dem Wiener Kongress 1814/15 fiel die Rheinprovinz an Preußen.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Münstermaifeld - Stiftskirche St. Martin und St. Severus. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/muenstermaifeld-stiftskirche-st-martin-und-st-severus/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 15.12.18)