Klöster Eifel-Ahr

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Religiöses und spirituelles Wirken

0.1.Inkorporierte Pfarreien

Am 4. August 1346 inkorporierte Erzbischof Balduin die Stadtpfarrei dem Kollegiatstift. Kollator war bis 1515 der Stiftspropst. Am 16. Dezember 1515 übertrug Papast Leo X. dem Erzbischof von Trier die Propstei der Kollegiatkirche. Zum Pfarrbezirk gehörten: Hospitalkirche vom Hl. Geist, die Kapellen St. Pankratius auf der BurgEltz. St. Odilia in Sevenich, St. Praxedis in Metternich, St. Benedict in Lasserg, St Stephan in Keldung, St. Nikolaus in Gerschnach, St. Maria Magdalena in Küttig, Hl. Kreuz in Kalt, St. Apollonia in Wierschem.

0.2.Stellung im Pfarrbereich

Die Pfarrei gehörte bis zur Aufhebung des Erzbistums Trier im Jahre 1802 zum Landkapitel Ochtendung, ab 1802 bis 1824 zum Bistum Aachen und wurde anschließend den Kantonen Polch und Münstermaifeld zugeteilt. Bei der Dekanatseinteilung 1827 kam sie zum Dekanat Mayen, von dem sie 1869 abgetrennt und zu einem eigenen Dekanat Münstermaifeld zusammengefasst wurde.

0.3.Konventsmitglieder als Archidiakone

Sonderstatus als sog. „Klein-Archidiakonat", das heißt, Der von St. Martin betreute Pfarrsprengel stand nicht wie andere Pfarreien unter der uneingeschränkten Oberaufsicht des Kardener Archidiakons, sondern war ein herausgelöster, eigenständiger kirchlicher Jurisdiktionsbereich, dem Visitation und Sendgerichtsbarkeit zustanden.

0.4.Seelsorge

Wenn auch die Gläubigen stets zur katholischen Kirche hielten, angesichts zunehmend lascher werdender und zuweilen auch abspaltender Tendenzen sah sich Erzbischof Johann IV. Ludwig (1540-47) am 28.9.1544 zu folgendem Aufruf veranlaßt: ".... Unser ernstlicher beuelh, will, gemuett un mexnong sei, das sy nua hinfuro..."

Eine Messe an Aschermittwoch stiftete ein Paulus Hürter 1550. Eine genaue Übersicht von 1785 verzeichnet in Münstermaifeld 113, in den umliegenden, von Münstermaifeld betreuten sieben Pfarreien insgesamt 149 Messen.

0.5.Karitative Leistungen

Die erste erhaltene Urkunde des Heilig-Geist-Hospitals stammt aus dem Jahr 1309. In der Literatur wird die Gründung bereits kurz vor 1300 angesetzt. Die Sorge um Kranke, Arme und Bedürftige hatte sich Die Einrichtung machte sich die Sorge um Kranke, Arme und Bedürftige zur Aufgabe. Unter der Aufsicht des Stadtpfarrers kümmerte sich ein eigens dafür bestellter Priester um das Seelenheil der Insassen. Für die Zeit von 1310 bis 1400 wurde eine große Zahl von Legaten verzeichnet, darunter ein Vermächtnis des Erzbischofs Balduin über 10 Mltr. Weizen. 1799 wurden die Stiftungsbestimmungen aufgehoben und die Dotation mit anderen Armenstiftungen zusammengelegt. Das Hospital blieb erhalten: 1890 pflegten fünf Borromäerinnen die Kranken, nach 1920 kamen Franziskanerinnen aus Luxemburg.

0.6.Bruderschaften

Das kirchliche Leben des Spätmittelalters und der neueren Zeit konkretisierte sich größtenteils in der Teilnahme an den zahlreichen Bruderschaften. Die älteste war die Michaelsbruderschaft mit einer Bestätigung von 1216 durch Erzbischof Theoderich (1212-42). Ein Regelbüchlein von 1440 für die Mitglieder blieb erhalten. Die Bruderschaft erhielt reiche Zuwendungen besonders in Hatzenportz, Alken, Lehmen, Andernach, Breisig, aber auch Renten in Nachtsheim, Moselweiß und Güls sowie Fruchtlieferungen und Opfer. Die letzte Erwähnung dieser Gemeinschaft stammte von 1492.

Um 1720 bestanden noch fünf Bruderschaften:

  • Muttergottesbruderschaft, vor 1720 "längst" eingeführt
  • Nicolausbruderschaft, 1558 erwähnt
  • Matthiasbruderschaft von 1606
  • Sebastiansbruderschaft bestand bereits 1610, war nach 1669 "bald zu Ende"
  • die 1708 gegründete Todesangstbruderschaft, nach 1828 noch erwähnt
  • Agathabruderschaft von 1632, nach 1750 noch erwähnt
  • Bruderschaft der unbeflekten Empfängnis sowie die Sakramentsbruderschaft von 1784, nach 1828 noch erwähnt

0.7.Wallfahrten

Umstritten ist in der Literatur Bedeutung und Folgen der Translozierung von Severus-Reliquien nach Münstermaifeld:

Im Mai-Juni jeweils unternahm die Pfarrei alljährlich Wallfahrten nach Bornhofen.

0.8.Reliquien

Mit der Wahrnehmung missionarischer und seelsorgerischer Aufgaben hatte Münstermaifeld eine große Bedeutung für die kirchliche Herrschaft. Um dieses Ansehen noch weiter zu fördern, translozierte der Erzbischof Bruderschaften und Gebetsgemeinschaften, Prozessionen, Wallfahrern. Nach den Normannenzügen des 9.und 10. Jh. und den dadurch bedingten Verwüstungen begannen die Trierer Bischöfe, die Kathedralstädte neu zu gestalten, bzw. aufzubauen.
Von diesem Trend blieb auch Münstermaifeld nicht unberührt. Nach der Überlieferung, bzw. das, was in den sog. Acta Sanctorum festgehalten wurde, brachte Erzbischof Ruotbert (931-956) Reliquien des Presbyters Severus von Rom zunächst nach Trier, die später der Erzbischof Egbert (977-993) nach Münstermaifeld brachte.

0.9.Kulturelles Wirken

0.9.1.Schulen

Die Knabenschule des Stiftes war so berühmt, dass die Söhne der Adelsfamilien in der Region als Brüder, Cantores oder Scholastici in den dann geistlichen Dienst eintraten. Seit wann diese Einrichtung in der klösterlichen Anlage eingebunden war, ist nicht bekannt. Die Stiftschule war wohl die erste Einrichtung ihrer Art in Münstermaifeld. Vor 1700 unterrichteten als Lehrer Franz Adenau (1664), Johann Adam Rom (1668) und Michael Dreyser (1684). 1680 meldete der Pastor eine sorgfältige Erteilung der Kateche, allerdings hätten die Kinder oft gefehlt. Auch nach 1700 blieben zahlreiche Lehrer namentlich bekannt, darunter vor 1750 erstmalig eine Lehrerin für die Mädchen, N. Ollig aus Koblenz, Mitglied des 3. Ordens.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Münstermaifeld - Stiftskirche St. Martin und St. Severus. Religiöses und spirituelles Wirken. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/muenstermaifeld-stiftskirche-st-martin-und-st-severus/religioeses-und-spirituelles-wirken.html> (Letzter Aufruf: 24.06.19)