Geschichtlicher Abriss Stift St. Severus (Boppard)

Kloster und Stiftsgeschichte

Kupferstich Boppard - Ansicht von 1646

Die Anfänge der St. Severuskirche in Boppard, die ursprünglich ein Petruspatrozinium getragen hat, reichen bis in die Spätantike zurück. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde in den Ruinen des an die Nordmauer des Römerkastells angebauten Kastellbades eine Kirche errichtet, ein Saal von 32 m Länge und 9 m Breite mit einer Apsis im Osten und einem Baptisterium im Westen. Möglicherweise hat an dieser Kirche, der als Taufkirche eine besondere Bedeutung zugekommen war, ähnlich wie in den benachbarten Kastellorten Koblenz und Andernach schon in merowingischer Zeit eine Klerikergemeinschaft bestanden. Nach baulichen Veränderungen im 8. Jahrhundert und einer wahrscheinlich durch die äußeren Wirren bedingten Verkleinerung im 10. Jahrhundert wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit dem Bau der heute noch stehenden spätromanischen Kirche begonnen, der spätestens 1236 vollendet war. Wann an dieser Kirche ein Stift eingerichtet wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, jedenfalls wird erstmals im Jahre 1000 ein Propst Nannichius von Boppard urkundlich erwähnt. In dieser Zeit ging das Bopparder Severusstift an das Wormser Stift St. Martin über. Im Jahre 1179 werden erstmals Kanoniker des Bopparder Stifts namentlich genannt, als diese zusammen mit ihrem Propst Siegfried wegen der von ihnen auszuübenden Seelsorgeverpflichtungen ein fünftes Kanonikat errichten. Seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts sind dann sogar sechs Kanoniker in Boppard bezeugt, von welchen einer den Titel eines Vizepropstes trägt. 1521 kam die Bopparder Propstei zusammen mit der von St. Martin in Worms an den Trierer Erzbischof.

Im 16. Jahrhundert scheint das Stift St. Severus in starke wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten zu sein. 1553 veranlasste der Trierer Erzbischof Johann von Isenburg (1547 – 1556) deshalb eine Stiftsreform, die vor allem eine den Einkünften entsprechende Verkleinerung des Stiftskapitels bezweckte. Dabei wurde nicht nur die Zahl der Kanoniker reduziert und das Institut der Vikarien praktisch aufgelöst, auch die Organisationsform wurde geändert. An der Spitze stand nun das Amt des Pfarrers, der am Ende des 16. Jahrhunderts „die Hauptperson an der Bopparder Kirche“ ist (Pauly, S. 131). Daneben gab es noch den Präbendat und den Dezimator, die zusammen mit dem Pfarrer zum Chor- und Gottesdienst verpflichtet waren. Pfarrer und Präbendat wurden vom Trierer Erzbischof, der Dezimator, der mit der Verwaltung des Zehnthofs des Wormser Stifts St. Martin beauftragt war, vom Wormser Kapitel bestellt. In der Folgezeit nahm die Zahl der Kanoniker rapide ab. 1588 sind noch vier von ihnen nachweisbar, doch schon 1602 starb mit Heinrich Dreher der letzte aus ihrem Kreis. Das Stift in der ursprünglichen Form war damit quasi erloschen, auch wenn es kirchenrechtlich nicht aufgehoben wurde. An die Stelle der Kanoniker traten nun die „Bopparder Präbendaten, die zusammen mit den vom Kapitel des Wormser Stifts St. Martin für Boppard bestellten Dezimatoren und den Pfarrern Gottesdienst und Chorgebet in Boppard übernahmen, wobei dem Pfarrer die führende Rolle zufiel“ (Pauly, S. 36).

Nachnutzung

Heute dient die St. Severuskirche als katholische Pfarrkirche.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Boppard - Stift St. Severus. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/boppard-stift-st-severus/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 18.05.19)