Bau- und Kunstgeschichte des Klosters Wolf (Traben-Trarbach)

0.1.Klosterkirche

Liebfrauenkirche Wolf - Lageplan der Ruine Wolf

Die heutige Kirchenruine wurde als dreischiffige Basilika mit reicher Chorausbildung erstellt; das Gotteshaus datiert aus dem 13. Jahrhundert und ist als gutes Beispiel der Trierer Baukunst zu werten. Der (West)-Turm des Gotteshauses weist eine romanische Gliederung auf. Insgesamt leitet dieser Kirchen(neu)bau vom romanischen Stil zur Frühgotik über. Genannt wurde das Gotteshaus erstmals 1255.
Unter der baulichen Leitung des Trabener Maurers und Steinmetzes „Meister Jost, Mäurer zu Trarbach“  wurde 1498 mit der Errichtung eines Klosters begonnen. Die Bausubstanz der "Häußgen" bei der Kirche war zu schlecht geworden. Binnen drei Jahren wurde eine neue Bleibe für die Brüder vom gemeinsamen Leben mit großem persönlichem und finanziellem Engagement vollendet.
Bis heute stützen sich Publikationen, die das Wolfer Kloster beschreiben, auf Pläne, die der ehemalige Baumeister des Landkreises Zell, Dr. Hans Vogts,  in den 1935 von ihm veröffentlichten „Kunstdenkmälern des Kreises Bernkastel“ publizierte. Vogts selbst ergänzte seine Unterlagen um Ergebnisse von Ausgrabungsarbeiten, die der Wolfer Heimatverein im Winter 1932/33 durchführte. Eine Untersuchung von Peter Schößler im Sommer 1999 und deren Auswertung ergaben u. a. , dass bislang benutzte Unterlagen sehr ungenau waren und zahlreiche Fehler aufwiesen.

0.2.Neue Untersuchungen zur Baugeschichte

Im Zuge seiner Diplomarbeit nahm Peter Schößler erstmals auf wissenschaftlicher Grundlage eine vollständige Aufmessung des Areals auf dem Göckelsberg vor. Die Ruinen wurden kartographisch als Lageplan und als 3D-Modell erstellt. Nach Auswertung der Vermessung dokumentiert die Arbeit, dass ehemalige Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Mönche bislang unbeachtet geblieben sind. Auch ihre Ausmaße sind, so Schößler, bisher nicht einmal näherungsweise bekannt gewesen.

0.3.Vorgängerbau aus der Römerzeit?

Liebfrauenkirche Wolf - Draufsicht

An der Ruine des Kirchengebäudes sind nach Schößlers Resumée (Auszug) als Bauabschnitte erkennbar:
An der westlichen Turmseite sind die Fundamentreste eines möglicherweise bis in die Römerzeit zurückgehenden Vorgängerbaus erkennbar. Das nach Nord-Ost-Ost ausgerichtete Kirchenhauptschiff besteht ursprünglich als ein mit Strebepfeilern regelmäßig gegliederter Einzelbau, der erst später mit durch Säulen getrennten Seitenschiffen ergänzt. Mit einer lichten Länge von 25 m und einer lichten Breite von 9,35m beträgt die Innenfläche des Hauptschiffes etwa 213 qm. Die Kirchenmauern weisen Stärken von 1,10 bis 1,15 m auf. Die zum Teil noch ersichtlichen Strebepfeiler sind in die Anbauten integriert. Erkennbar ist dies noch heute bei der Annenkapelle. Die beiden an der Stirnseite  des Chores vermuteten Strebepfeiler konnten bei der Vermessung nicht nachgewiesen werden. Eine durch Vogt vorgenommene Gliederung  des nördlichen Seitenschiffs in zwei Einzelräume lässt sich gleichfalls nicht verifizieren. Der in alten Plänen eingezeichnete zweite schief stehende Stützpfeiler im südlichen Seitenschiff ist nicht vorhanden. Auch der ehemalige Kircheneingang in der Mitte des südlichen Seitenschiffs ist nicht entdeckt worden. Der an das Hauptschiff angebaute Rundturm, der im Inneren einen Durchmesser von 3,10 m aufweist, hat möglicherweise als Zisterne gedient. Eine direkte Verbindung zum Kircheninnern ist nicht festgestellt worden. Die Grundmauern der am 11. Juni 1506 eingeweihten Annenkapelle sind noch gänzlich erhalten. Von einer dreiseitigen Apsis der Kapelle sind keine Spuren mehr erkennbar. Dies trifft auch auf angebaute Nebengebäude zu. Die Treppe vom Kircheninnern zur Annenkapelle ist heute nicht mehr vorhanden.

0.4.Was blieb von den Nebengebäuden?

Der Chorbereich der Kirche weist eine Höhe von 230,15 ü. NN auf. Dies entspricht dem ehemaligen Bodenniveau. Dies beweisen auch Estrichreste an der nördlichen Innenwand.
Nach Schößler sind die Seitenschiffe im Gegensatz zum Hauptschiff ausgewölbt. Dies ergibt sich vor allem aus einem erhaltenen gebliebenen Gewölbeschlussstein in der Mitte des südlichen Seitenschiffs. Aus den noch erkennbaren Ansätzen der Kreuzrippen lässt sich sogar unter Annahme eines regelmäßigen  Aufbaus das Gewölbe rekonstruieren.
Für Schößler hat das Hauptschiff wahrscheinlich über ein flaches Satteldach als Zwischendach verfügt, das den eigentlichen Kirchenraum von einem über den Turm erreichbaren Dachboden abtrennte. Die lichte Höhe des Schiffes hat im Firstbereich 10,50 m betragen. Die um den Kirchturm gebaute Empore hat sich etwa 6 m über dem Kirchenboden befunden.
Von den einst sich auf einer Fläche von 550 bis 600 qm erstreckenden Nebengebäuden, die sich nördlich und östlich nur wenige Meter entfernt  an die Kirche angeschlossen haben, ist nicht mehr viel erkennbar. Vermutlich sind die Grundmauern  dieser Gebäude noch weitestgehend erhalten geblieben. Der nördlichste Raum, der bisher als einziger in seinen Ausmaßen sicher bekannt ist, weist eine Fläche von 66 qm auf und deutet so allein wegen seiner Größe auf ein Wirtschaftsgebäude hin.

0.5.Römer-Siedlung als Voraussetzung

Aufgrund des Sonnenstandes sind die Wohngebäude eher im südlichen Bereich des Areals anzunehmen. An dieser Stelle vermutet Schößler einen ehemaligen Keller (N), der wegen seines eingestürzten Gewölbes unzugänglich ist. Die entlang des gesamten Nordwesthangs vorhandenen großflächigen Felsbearbeitungen führt er auf die Zeit der römischen Höhensiedlung zurück. Dadurch seien erst die Voraussetzungen geschaffen worden, dass in diesem Steilhang überhaupt ein Klostergebäude errichtet werden konnte, so die Schlussfolgerung.

0.6.Erweiterung des Klosters

Nach ihrer Berufung 1478 begannen die Fraterherren mit einer umfangreiche Erweiterung ihres Klosters. Den Bau erstellte „Meister Jost, Mäurer zu Trarbach, mit seinen Knechten und hülfe derer Brüder in drei Jahren“.
Im Verlauf des Jahres 1498 wurde ein neuer Keller in den Fels gehauen. Am 27. Juli des gleichen Jahres erfolgte die Grundsteinlegung zum Klosterneubau. 1499 wurde zudem ein Filial „ad Stum Germanum binnen Trier“ übernommen. Möglich wurde das durch die Vermittlung des Propstes von St. Simeon, Rudolf von Enschringen. Die Dacharbeiten begannen am 17. September 1500. 1517 erfolgte noch ein weiterer, größerer Anbau.

0.7.Kapellen inner- und außerhalb der Anlage

1506 wurde im Klosterareal die Annakapelle durch Weihbischof Johannes von Eindoven eingeweiht, zuvor Pater in „Eberhards Clausen“. 1491 kam es zu einem zwischen Kloster und Wolf vertraglich vereinbarten Bau einer Servatius-Kapelle im Ort. Wolf übernahm den Bau des Gotteshauses und die Bestellung des Klöckners. Das Kloster hingegen errichtete den Keller unter der Kapelle und übernahm deren Unterhalt. Gottesdienste und seelsorgerische Betreung wurden durch die Patres sichergestellt. Rund 100 Jahre später erwies sich die Kapelle als zu klein und baufällig. Auf ihrem Keller wurde 1685 das neue  ev. Gotteshaus mit Schiff, Turm und Sakristei errichtet. Die Schaffnei ist mit den Gewölbekellern unter der Kirche, die als Weinlager dienen, verbunden.

0.8.Friedhof

Auf dem sich im Osten an das Kirchengelände anschließenden Hang befand sich bis 1597 der Friedhof. Seine Existenz im Klosterbering ist bei der Vermessung nachgewiesen. Neben Keramikscherben und Ziegelbruchsteinen sind hier zahlreiche Knochenteile gefunden worden. Bei der Mauer, die das Kirchengelände zum Nordosten hin abgrenzt, handelt es sich um die 1520 errichtete Friedhofsmauer.

0.9.Materielle Kulturgeschichte

Die Grafen von Sponheim als Landesherren hatten 1478 nach eigenem Bekunden der Klosterkirche fünf Nebenaltäre gestiftet: 

  • Drei-König-Altar
  • Apostelnaltar 
  • Dreifaltigkeitsaltar (zunächst wohl eine Stiftung des Peter von Staudernheim und seiner Gattin Ida, die den Altar mit einer Urkunde vom 15. Juni 1385 dem Haus Sponheim übertragen) 
  • Antoniusaltar
  • Johannesaltar sowie die Dotation der dafür notwendigen Altaristenstellen

Der Marienhochaltar, der mit dem Patronatsrecht der Kirche verbunden war, hatte mitten im Kirchenraum gestanden. Er ging 1460 an den Landesherren über.
Von den ehemaligen Ausstattungsgegenstände der Kirche hat sich an Ort und Stelle nichts erhalten. Allerdings soll Johann Wolfgang von Kesselstatt ein spätgotisches Vesperbild auf den Abhängen unterhalb des Klosters gefunden haben, das danach den  „Hauptschatz“ der Kesselstattschen Grabkapelle oberhalb Krövs gebildet habe. 1501 wurde ein wundertätiges Muttergottesbild von Meister Nikolaus von Mastricht „umsonst gemacht“. Es soll 200 Jahre verschwunden gewesen sein, dann gefunden worden und anschließend in der Grabkapelle des Herrn von Kesselstatt in Kröv aufgestellt worden sein.
Weiterhin wird in der Literatur von einem vergoldeten Silberkelch berichtet: Sechspassfuß mit 14 ½  cm Durchmesser, eingraviert eine Anna Selbdritt und davor knieend die Figur des Stifters in geistlicher Tracht mit dem Spruchband: STEPHANs DE BERNKASTEL PASTOR IN BELLE ANNO 1500. Vermutet wird einen Zusammenhang der sehr guten spätgotischen Arbeit mit der 1508 geweihten Kapelle S. Anna der Liebfrauenkirche. Ein Stephan von Bernkastel war 1466 in Bell (Kreis Simmern) Vikar am Hospital zu Kues und Anhänger der Windesheimer Kongregation. Er ist in der Klosterchronik als „Herrn Steffen“ genannt.
1507 wurde ein Pater beauftragt worden, für 7 Mark Silber in Köln ein Kruzifix in Auftrag zu geben. Der Goldschmied hatte für seine Arbeit 30 Goldgulden als Honorar erhalten.

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Traben-Trarbach - Kloster Wolf. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/traben-trarbach-kloster-wolf/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 24.06.18)