Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Klosters Wolf (Traben-Trarbach)

0..1.Wirtschaftliche Lage

Liebfrauenkirche Wolf - Weinberge[Bild: LandesMedienZentrum RLP]
Liebfrauenkirche Wolf - Luftaufnahme mit Moselschleife[Bild: LandesMedienZentrum RLP]

Die Annalen des Wolfer Klosters beschrieben die wirtschaftliche Situation bei der Klostergründung als äußerst schwierig. Die ersten 10 Jahre wurden dadurch überschattet, „weil denen abgeschaften Altaristen ihr Unterhalt ad dies vitae gegeben werden“ mußte. Viele der neu hinzugeommenenen Brüder hielten es nicht wegen der Verhältnisse auf dem Berge aus und verließen ihn bald „wegen der Armuth“. Zusätzlich zur angespannten finanziellen Situation kam eine weitere Belastung hinzu: die Gründung einer Schule in Trier. Trotz der finanziellen Unterstützung von Freunden und Förderern geriet dieses Vorhaben wiederholt in Notlage. Bei der Errichtung des Klosterneubaus fehlte sogar das Korn für die Verpflegung der Handwerker. Wertvolles Kirchengerät wurde 1520 Opfer eines Einbruchs. Von 1524 an fehlen die Aufzeichnungen des Klosters und damit weitere Informationen über Leben und Vorkommnisse auf dem Wolfer Berg.

0..2.Wirtschaftsgebäude

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der klösterlichen Anlage begonnen. Zunächst wurde ein Keller in den felsigen Untergrund des Bergareals geschlagen. Danach erfolgte die Grundsteinlegung. Mit Jost von Trarbach als Baumeister wurde die monastischen Gebäude nach rund drei Jahren 1498 vollendet. 1517 erfuhr die Anlage auf dem Berg eine Erweiterung.

Differenziertere Vermessungen von Peter Schößler ergaben, dass von den Nebengebäuden, die sich nördlich und östlich nahe an der Kirche befanden, "nicht mehr viel erkennbar ist." Er vermutet allerdings, dass deren Grundmauern auf einer Fläche von 550 bis 600 qm  noch erhalten sind. Die einzelnen Funktionen  der jeweiligen Häuser bleiben klärungsbedürftig. Dies trifft auch auf zwei weitere, eventuell spätere Keller zu.

Kirchliche und klösterliche Gebäude auf dem Berge dienten 1782 als Steinbruch bei der Errichtung eines Schaffnei-Gebäudes neben der ev. Pfarrkirche unten im Ort. Es diente der Verwaltung über die Liegenschaften des ehemaligen Klosters. Den Massivbau (Kreuzgewölbe) mit oben abgewalmtem Giebel schmücken rechteckige  Fenster mit Hausteingewänden. Ein Maueranker mit der Zahl 1782 dokumentiert an der Vorderseite des stattlichen Hauses das Jahr der Errichtung. Unter den Baufragmenten befinden sich  zwei vorzügliche, gotische Kapitelle. Sie wurden im Giebel der  Schaffnei eingefügt: An einem Kapitell ist die untere Kehle mit einer naturalistischen Ahornlaubranke, die obere mit zwei Wölfen geschmückt, die ein Lamm zerreißen. Beim anderen Architekturteil sind Weinranken und zwei Drachen mit verschlungenen Hälsen aus dem Stein herausgearbeitet. Insgesamt hat sich von der originären Bauzier der Liebfrauenkirche nur wenig bis heute herübergerettet. Die beiden steinernen Fragmente sind als singuläre Indizien einer nicht unbedeutenden Architektur der Wolfer Klosteranlage zu werten.

Empfohlene Zitierweise

Bernd Brauksiepe: Traben-Trarbach - Kloster Wolf. Besitz- und Wirtschaftsgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/traben-trarbach-kloster-wolf/besitz-und-wirtschaftsgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 20.09.18)