Klöster Mosel-Saar

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Standort

GEO:50.18284799849389,7.300972938537598

Hinweise

Öffnungszeiten

Der 'Moseldom' St. Castor ist ganztägig für Besichtigungen geöffnet. Von touristischen Besuchen während der Gottesdienste ist jedoch abzusehen.

Führungen

Das Tourismusbüro Treis-Karden bietet verschiedene Führungen durch Stiftskirche, Stiftsbezirk und Stiftsmuseum an.

Auf der Homepage des Ortes wird ein mit Bildern bespickter und gut erklärter Rundgang durch den Stiftsbezirk vorgeschlagen, den man auf eigene Faust in Angriff nehmen kann.


Ehemaliges Kollegiatstift und Stiftskirche St. Castor, Karden (Treis-Karden)

Stift St. Kastor - Stiftskirche und Statue St. Castor

Die Stiftskirche St. Kastor, auch als „Moseldom“ bekannt, zählt bau- und kunstgeschichtlich zu den bedeutendsten Sakralbauten an der Mosel zwischen Trier und Koblenz. Neben zahlreichen Kunstschätzen prägt das älteste im Rheinland gebrannte Altarretabel das Innere der romanisch/frühgotischen Basilika. Der seltene Terrakotta-Hochaltaraufsatz stammt aus der Spätgotik. Von den wenigen noch erhaltenen Exemplaren ist er wohl der größte seiner Art.

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts missionierte der hl. Kastor an der unteren Mosel. Die erste schriftliche Erwähnung verdankt Karden dem sog. Geographen von Ravenna aus dem 7. Jahrhundert. Er berichtete von einem vicus cardena in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts.

Im 6. Jahrhundert war die Gründung bereits zu einer Großpfarrei mit ausgedehnter Seelsorge geworden. Die Geistlichen lebten in einer Gemeinschaft, aus der sich später das an der damaligen Martinskirche angesiedelte Kollegiatstift entwickelte.

Nach der Auffindung der verschollenen Gebeine des hl. Castors wurde Karden zum begehrten Ziel von Wallfahrten. Dies machte einen größeren Kirchenraum notwendig. Der Grundriss der dreischiffigen karolingischen Basilika, dem hl. Paulinus geweiht, konnte 1966 durch Ausgrabungen belegt werden. Ein vermutlich seit dem 9. Jahrhundert kollegial-korporativ verfasstes Stift wurde urkundlich erstmals 1084 erwähnt. Die besondere Bedeutung Kardens als kirchlichem Zentrum dokumentierte sich durch die Doppelfunktion des Propstes, der zugleich einer der fünf Archidiakone des Erzbistums war und den Titel eines Chorbischofs führte.

1569 verzeichnete das Stift 18 Kanoniker- und 5 Prälatenpräbenden sowie 18 Stiftsvikarien. Ende des 18. Jahrhunderts waren 53 Orte und zehn Höfe dem Kollegiatstift Zehnt pflichtig. 1802 wurde es aufgehoben.

Allgemeines

Name Stiftskirche St. Kastor
Ordenszugehörigkeit Kollegiatstift
Topographische Lage Durch steile Berghänge im Nordwesten und den Flusslauf im Südosten begrenzter Siedlungsraum auf linken Moselufer, Stift am Nordende des römischen vicus rechts vom Brohlbach.
Kirchliche Zugehörigkeit Erzbistum Trier, Sitz des den Mayen- und Trechirgau umfassenden Archidiakonasts Karden mit den Landkapiteln Boppard, Ochtendung und Zell- Kaimt.
Territoriale/staatliche Zugehörigkeit Verwaltungssitz bis zur französischen Revolution, östliche Begrenzung der Rhein zwischen Vinxtbach/Bad Breisig und Heimbach/südlich Bacharach, moselaufwärts bis nach Ürzig, Kröv und Traben-Trarbach, ab 1794 unter französischer Herrschaft, 1815 im Rahmen des Wiener Kongress Königreich Preußen zugeteilt.
Stiftsleitung Der Propst des Stiftes war in Personalunion zugleich Chorbischof bzw. Archidiakon. Unterstützt wurde er vom Diakon.
Gründungsjahr erste Christen im 6.-8. Jahrhundert zu datieren, ansässiger Klerus organisiert sich um die Wende des 9./10. Jahrhunderts zum Kollegiatstift St. Kastor, ein Archidiakon erstmals 1083 als Propst des Kollegiatstifts Karden genannt.
Vorgängerinstitutionen Eine der hl. Maria geweihte Kirche, von Kastor vor 370 n. Chr. erbaut, widerspricht dem historischen Faktum, da Maria erst im Jahr 431 n. Chr. auf dem Konzil von Ephesos unter der Bezeichnung „Gottesgebärerin“ heilig gesprochen wurde.
Patrozinium Paulinus Patrozinium wohl in der Zeit des Trierer Bischof Wiomad (ca. 757-791);Kastor Patrozinium erstmals in einer ungedruckten Urkunde des Stifts von 1084 belegt.
Aufhebung Französische Truppen besetzten Ende 1794 das Gebiet des Erzbistums Trier bis zum Rhein, am 10. Juni 1802 Beschluss der Konsuln über die Aufhebung aller geistlichen Korporationen in den vier linksrheinischen Départements.
Spätere Nutzung (Eckdaten) Nach der Säkularisierung 1802 wurde die Stifts- dann Pfarrkirche der Pfarrei Karden.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Treis-Karden - Ehem. Kollegiatsstift und Stiftskirche St. Castor (Karden). In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/treis-karden-ehem-kollegiatsstift-und-stiftskirche-st-castor-karden.html> (Letzter Aufruf: 23.02.17)