Klöster Mosel-Saar

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Geschichtlicher Abriss

Stiftsgeschichte

Zahlreiche Funde wie Fibeln, Amulette, Waffen und Münzen belegen, dass auf dem Martberg oberhalb von Karden bereits ein Heiligtum in der Spätlatène bestand; es erfolgte die Gründung einer weiträumigen Tempelanlage des Lenus Mars, einem Hauptgott der Treverer, als „bedeutendste Oppida des östlichen Treverergebiets“. In römischer Zeit verdankt der vicus in der Moseltalaue dem Heiligtum auf dem Berg seine wirtschaftliche Blüte, unterstützt von seiner Rolle als Knotenpunkt und Furt zweier wichtiger Verbindungsstraßen über Mosel und Eifel.

 

Das Stift St. Kastor lag im nördlichen Teil des römischen vicus rechts des in die Mosel mündenden Brohlbachs. Mit seinen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden belegte es einen großen Teil der spätrömischen und der mittelalterlichen Siedlungsfläche. Die erste frühchristliche Kirche lag bei dem spätrömischen Gräberfeld des südwestlichen Teil des vicus. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts missionierte der hl. Kastor an der unteren Mosel. Die erste schriftliche Erwähnung des „vicus Cardena“ fällt in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts. Nach Berichten aus dem 7. Jahrhundert soll in der Zeit des Trierer Bischofs Magnerich (570-596) außer der Martinskirche vor Trier ein Gotteshaus zu Ehren des fränkischen Nationalhelden auch in Karden errichtet worden sein. Im 6. Jahrhundert war Karden bereits zu einer Großpfarrei mit ausgedehnter Seelsorge geworden. Die Geistlichen lebten in einer Gemeinschaft, aus der sich später ein an der damaligen Martinskirche angesiedeltes, kollegial-korporativ verfasstes Stift entwickelte. Die erste Kirche unter der heutigen Pfarrkirche trug bei der Erhebung der Kastorreliquien durch den Trierer Erzbischof Wiomad (ca. 757-791) noch ein Paulinuspatrozinium. Die erste urkundliche Erwähnung des Kastorpatroziniums enthielt eine Urkunde des Stifts von 1084. Den Namen Kastor als Patron führte das Urbar des Stifts um 1100. Um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert wurde der Propst des Stifts, bis 1794 immer ein Trierer Domkapitular, Archidiakon des Archidiakonats Karden mit den Landkapiteln Zell, Ochtendung und Boppard. Das Bistum Trier, ab dem 9. Jahrhundert Erzbistum, war in fünf Archidiakonate eingeteilt. Neben Trier war erstaunlicherweise der kleine Moselort Karden ein Sitz der weiteren drei Archidiakonate Dietkirchen, Tholey, Longuyon. Das Stift St. Kastor hatte von Anfang an auch die Pfarrei Karden zu verwalten.

Der Archidiakon war der ständige Vertreter des Bischofs, zuständig im Namen des Bischofs für die Rechtsprechung, Vermögensverwaltung etc., führte Visitationen durch und ab dem 12. Jahrhundert Dignitar, d.h. Würdenträger mit eigenem Recht.

Nach der Auffindung der verschollenen Gebeine des hl. Castors wurde Karden zum begehrten Ziel von Wallfahrern. Dies machte einen größeren Kirchenraum notwendig. Der Grundriss der dreischiffigen karolingischen Basilika, noch dem hl. Paulinus geweiht, konnte 1966 durch Ausgrabungen belegt werden. Die Bedeutung Kardens als kirchliches Zentrum zeigte sich durch eine Doppelfunktion: um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert wurde der Propst des Stifts zu einem der fünf Archidiakone des Erzbistums.

 

Ende des 11. Jahrhunderts begann angesichts der in Karden entstandenen Urkunden und Quellen ein neuer Abschnitt der Stiftsgeschichte. Nach dem um 1100 geschriebenen Urbar liegt das Stift eingebettet in den ihm unterstellten Pfarrbezirken an der Mosel, auf dem Hunsrück und in der Vordereifel. Die wirtschaftlichen Grundlagen bestanden zunächst aus kleinen Grundherrschaften und einer größeren Zahl von z. T. ausgedehnten Zehntbezirken. In einem Organisationsplan zeigt sich, so Pauly, das Stift als ein von einem Dekan geleitete Gemeinschaft von Kanonikern. Besitzbestätigungen durch die Päpste Alexander III. und Urban III. ließen eine Besitzkonsolidierung erkennen. Seit dem ersten Viertel des 13. Jahrhunderts entwickelte sich eine neue Gruppe von Stiftsgeistlichen unterhalb des Rangs der Kapitularkanoniker. Seit dem späten 12. Jahrhundert erschienen auch Vikare an Altären und Kapellen. Parallel dazu entwickelten sich Vikarien, an denen die Dignitäten des Stifts (Dekan, Scholaster, Kantor, Kustos) beteiligt waren. Damit wurden nach Pauly Voraussetzungen für die Gruppe von Vikaren als Stiftsgeistliche geschaffen, die die Geschicke des Stifts zwar nicht mitlenkten, jedoch für rund ein halbes Jahrtausend beeinflussten. Die Etablierung der Stiftsvikarien ist im Zusammenhang zu sehen mit dem Aufkommen eines feudalen Lebensstils, der sich seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in Testamenten einzelner Kanoniker niederschlug.


Die kirchenpolitische und zugleich wirtschaftliche Ausstrahlung des Castorstifts prägte die folgenden Jahrhunderte. Das Gebiet des Stifts gruppiert sich um den Pfarrbezirk Kaden. An der Mosel umfasste es die Bezirke Bruttig und Ellenz, auf dem Hunsrück die Bezirke Beltheim, Buch, Mörsdorf, Roth, Sabershausen und Sevenich, in der Voreifel Alflen, Kehrig und Masburg.

1569 verzeichnete die Propstei in Karden 18 Kanoniker- und 5 Prälatenpräbenden sowie 18 Stiftsvikarien. Ende des 18. Jahrhunderts waren Karden 53 Orte und zehn Höfe Zehnt pflichtig. Die Geschichte des Stifts war mit dem am 16. Juli 1802 publizierten und in Kraft getretenen Beschluss der Konsuln am 10. Juli 1802 über die Aufhebung aller geistlichen Korporationen in den vier linksrheinischen Départements besiegelt. Diese Départements waren seit dem Gesetz vom 9. März 1801 ein Teil der Französischen Republik geworden. Die Stiftskirche war in der Zeit danach die einzige Pfarrkirche in Karden.

 

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Nachnutzung, späteres Schicksal

Im 18. Jahrhundert besaß Karden zwei Pfarrkirchen, St. Kastor und Liebfrauen. Nach der Aufhebung des Stifts wurde die Kastorkirche bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse zwischen 1803 und 1808 zur Pfarrkirche von ganz Karden. Der Pfarrer von Liebfrauen führte danach die neue Gesamtpfarrei Karden. Die ehemalige Liebfrauen-Pfarrkirche ist heute Friedhofskapelle. Erhalten hat sich der Westturm aus dem 13. Jahrhundert.

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Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Treis-Karden - Ehem. Kollegiatsstift und Stiftskirche St. Castor (Karden). Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mosel-saar/treis-karden-ehem-kollegiatsstift-und-stiftskirche-st-castor-karden/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 22.08.17)