Stadtgeographische Lage und Besitz

Die Jesuitenniederlassung wechselte mehrfach ihr Domizil, was nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Raumanspruch eines wachsenden Lehrbetriebs steht. Im Jahr 1560 war geplant, die Niederlassung und die Theologische Fakultät in der Burse Zum Algesheimer anzusiedeln, deren Bewohner dafür die Schenkenberger Burse (heute Altenauergasse 3) zugewiesen bekommen sollten. Am 6.11.1560 allerdings berichtete Domscholaster Johann Fock von Walstatt, dass die beiden Immobilien baufällig seien. Erwogen worden sei auch die Unterbringung im Dominikanerkloster, doch die „Jesuiter“, seien „des Gemüts, niemands zu vertreiben“[Anm. 1].
Es wurde nun die Unterbringung im „Präbendhof“ (Müller, S. 647) des Julius Pflug von Pegau, (1499-3.9.1564, seit 1540 Domkapitular in Mainz, 1541 zum Bischof von Naumburg gewählt, residierte in Pegau)  erwogen, der diesen Hof nicht bewohnte. Das Domkapitel erhob allerdings hinsichtlich einer möglichen Option auf den genannten Hof am 22.11.1560 Bedenken und verwies als möglichen Standort auf den Kartäuserhof. 
Pflug erklärte sich damit einverstanden, die Behausung den Jesuiten zur Verfügung zu stellen.  Am 7.6.1561 begab sich der Erzbischof selbst nach Mainz. Das Haus Pflugs wurde nach A.Ph.Brück als Standort für die Schulen bestimmt, das Haus des Domscholasters als Wohnung für die Jesuiten.
Die Behausung Pflugs erwies sich für den Schulbetrieb bald als nicht ausreichend. Am 16.5.1562 hob der Erzbischof nochmals hervor, dass er den Algesheimer Hof als geeignet für die Gründung eines Kollegs betrachte.
Im Oktober 1562 siedelte man in den nunmehr auf Kosten des Erzbischofs renovierten Algesheimer Hof über, der sich allerdings rasch als zu klein erwies.
Zur Erweiterung der Räumlichkeiten übertrug der Erzbischof am 7.9.1568 dem Orden die drei benachbarten Häuser Zum Hammerstein, Zum Herbst (laut Brück hatte der Erzbischof das Haus 1566 erworben) und Zum Birnbaum (bei Gudenus Zum Bierbaum genannt, vgl. Gudenus IV, S. 724). Zugesagt wurden Mittel (jährlich 1600 Gulden), die aus der Auflösung der Frauenklöster Patershausen und Seligenthal flossen. Im gleichen Jahr ergänzte der Erzbischof den hinterlegten Geldbetrag von 12.000 Gulden um weitere 6000 Gulden.

Am 16.7. 1577 wurde nach Th.Berger den Franziskaner der Räumungsbefehl für ihr Kloster erteilt. Die Räumlichkeiten wurden den Jesuiten zugewiesen, womit im Algesheimer Hof Kapazitäten zur Erweiterung des Lehrbetriebs geschaffen wurden. Über Proteste setzte sich nach A.Jendorf der Erzbischof hinweg. Nach M.Müller ist der 16.7.1577 der Termin, zu dem die Jesuiten im Kloster ihren Einzug hielten.
Am 31.7.1615 –dem Fest des hl. Ignatius - wurde der Grundstein für das Gebäude des Gymnasium Moguntinum gelegt. Die Kosten des zwei Jahre später vollendeten Baus (33.000 Gulden) trugen der Erzbischof, das Mainzer Domkapitel und Herzog Wilhelm von Bayern.
Während der schwedischen Besetzung der Stadt kam es 1631/35 zu Zerstörungen an den Gebäuden Zum Algesheimer, Zum Hammerstein, Zum Herbst und zum Birnbaum.

Kaiser Ferdinand II. übertrug nach B.Schnabel 1635 (andere Angaben nennen das Jahr 1636) den Mainzer Jesuiten die Gebäude des 1585 aufgehobenen Zisterzienserinnenklosters Mariacron bei Oppenheim, die zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits stark beschädigt waren und bei der Zerstörung Oppenheims im Jahr 1689 endgültig zerstört wurden.
Im Jahr 1649 erwarb man nach F.V.Arens den Isenburger Hof.

Die bei der Belagerung der Stadt im Jahr 1689 entstandenen Schäden am Dach des Kollegsgebäudes wurden rasch behoben.

Nach der Verlegung des Noviziates von Trier nach Mainz in den Isenburger Hof wurden in Anbetracht des immer stärker spürbaren Raummangels Neubaupläne gefasst. Entsprechende Baugenehmigungen, erteilt durch Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1647/1673), datieren aus den Jahren 1656 und 1663. Zäh hingegen gestalteten sich die diesbezüglichen Verhandlungen mit der Ordensleitung; 1682 wurde von Ordensgeneral Noyelle die Baugenehmigung – ein genauer Plan für den Bau eines Noviziats stammt nach F.Arens vom 5.1.1682 - erteilt. Die widrigen Zeitumstände führten zur Verzögerung der Umsetzung des Bauprojekts. Nachdem Ordensgeneral Gonzalez am 19.6. 1700 die Erlaubnis zum Bau erneuert hatte, konnte Mitte März 1701 durch Erzbischof Lothar Franz von Schönborn endlich der Grundstein gelegt werden. Ende des Jahres war der Bau so weit vorangeschritten, dass das Dach aufgerichtet werden konnte. Am 5.10.1704 wurde das Haus feierlich eingeweiht. Das Gebäude war schlicht gestaltet; verziert war es über dem Portal mit drei Steinfiguren, die Petrus Faber, Ignatius von Loyola und Petrus Canisius darstellten[Anm. 2].

Im Jahr 1726 wurde der Algesheimer Hof, an dem im 18.Jh. keine wesentlichen Bauänderungen vorgenommen wurden, (aus)gebaut; er wurde nach F.Arens durch eine Brücke mit dem Noviziat verbunden.

Unter den Liegenschaften genannt wird nach Ausweis des Archivs der Jesuiten ein in Mainz vor dem Gautor gelegener Weingarten[Anm. 3].
Kolleg und Noviziat verfügten neben den Mariacroner Gütern in Oppenheim über weitere Liegenschaften außerhalb der Stadt Mainz. In Drais erwarb 1670 der Rektor des Jesuitennovizaites für 2000 Reichstaler den ehemaligen Hirzenacher Propsteihof und damit auch die Hälfte der Ortsherrschaft mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten. Die Jesuiten wurden damit zum Betreiber des größten „Wirtschaftsunternehmens“ vor Ort. Der Hof diente der leichteren Versorgung des Noviziates mit Lebensmitteln, waren doch die Einnahmen von 2000-4000 Gulden/Jahr nicht hinreichend, um die Kosten (Versorgung von 50-60 Novizen, Lehrern und Personal) zu bestreiten. Auch als Zufluchtsort sollte der Hof dienen, stand doch das Grauen der letzten Pestwelle in Mainz (1666/67) noch deutlich vor Augen.
Im Archiv der Mainzer Jesuiten (Stadtarchiv Mainz, Best. 14) finden sich Hinweise auf Grundbesitz des Noviziates und des Kollegs in Bodenheim, Erbach, Geisenheim, Gonsenheim, Hallgarten, Harxheim, Hattenheim, Heidesheim, Hochheim, Johannesberg, Kempten, Kostheim, Laubenheim, Marienthal, Mittelheim, Mombach, Nieder-Saulheim Nieder-Walluf, Pfaffen-Schwabenheim, Oestrich, Rüdesheim, Weisenau, Winkel und Zornheim. Gülten standen dem Noviziat in Blödesheim (heute Hochborn), Köngernheim und Zornheim zu.

Anmerkungen:

  1. Brück, Anfänge, S. 198 Zurück
  2. Vgl Arens. Kirchen A-K, S. 345 Zurück
  3. Vgl. StAMZ Best. 14, 581 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Jesuiten. Stadtgeographische Lage und Besitz. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-jesuiten/stadtgeographische-lage-und-besitz.html> (Letzter Aufruf: 23.09.19)