Klöster in Rheinhessen

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Geschichtlicher Überblick

Niederlassungen des Deutschen Ordens entstanden meist durch das Engagement von Förderern aus der jeweiligen Region. „Nur in wenigen Fällen bildeten gezielte Käufe durch den Orden die Grundlage einer Kommende“[Anm. 1]. K.Militzer spricht davon, dass die Kommende (Ober-)Flörsheim „vielleicht“ dazu zu rechnen sei und nennt daneben Prozelten (Ballei Franken), die Kupferburg (Ballei Hessen), sowie Nägelstedt, Liebstedt und Vargula (Ballei Thüringen). 
Im Jahr 1237 wurde vom Deutschen Orden für 850 Mark Silber mit Zustimmung des Straßburger Bischofs und Domkapitels Besitz in Ober-Flörsheim erworben, der zuvor in der Hand der Abtei Hugshofen bei Schlettstadt/Elsaß gewesen war. Für 70 Mark erwarb er die advocatia über die genannten Güter von Graf Eberhard zu Eberstein.  Sie „bezog sich offenbar auf die ehemaligen Güter des Klosters Hugshofen“[Anm. 2], doch verwaltete die Komtur die Niederlassung in Ober-Flörsheim nicht direkt. Die Ordensbrüder bildeten einen eigenen Konvent mit einem Komtur an der Spitze. Die Kommende unterstand unmittelbar dem Hl.Stuhl und befand sich unter kaiserlichem Schutz.  Die Niederlassung genoss relative Selbstständigkeit. Braasch-Schwersmann rechnet sie zu den „großen, voll ausgebildeten Niederlassungen“[Anm. 3]. So war es etwa dem Leiter des Hauses gestattet, selbst Verpachtungen vorzunehmen.

Am 6.5.1287 gebot König Rudolf dem Ratsschultheiß von Oppenheim, den Hof der Deutschordensritter in Oberflörsheim zu schützen[Anm. 4].

1337 übertrugen Eberhard IV. und seine Gemahlin Adelheid v. Sponsheim Vogteirecht und Eigentum für 70 Mk. an den Deutschen Orden.

1353 kam es zu Beschwerden der Kirchengeschworenen gegen die Brüder des Deutschen Ordens: sie wollten von ihrer Niederlassung aus einen Gang zur Kirche bauen, was durch den Offizial von St.Peter (Worms) auch genehmigt wurde.

Am 8.6.1357 empfahl Kaiser Karl IV. durch eine Erneuerung des Schutzauftrags (s. 1287) den Hof dem Schutz des Pfalzgrafen.

1410/11 und 1451 fand jeweils eine Visitation des Hauses statt.

In der Reformationszeit bestand die Komturei weiter fort.

Zwischen 1568 und 1593 führte der Deutschorden Reichskammergerichtsprozesse gegen Übergriffe.

1606 gab sich der Orden neue Statuten, nach denen in den Balleien Hessen, Thüringen und Sachsen nun auch lutherische Ordensritter zu akzeptieren waren.

Im Dreißigjährigen Krieg war Ober-Flörsheim 1624 und 1631 der Plünderung durch schwedische Truppen ausgesetzt. Lange Zeit konnte das Haus nicht bewohnt werden; Vorräte an Getreide und Wein wurden verschleppt.

1623 wurde ein Kaiserlicher Schutzbrief für die vier Kommenden der Ballei Hessen ausgestellt.

1680/81 wurde eine Vereinbarung über die Trikonfessionalität der Ballei Hessen getroffen (Lutheraner, Reformierte, Katholiken); die Leitung de Ballei alternierte fortan.

Ab 1684 waren die Pfalz-Neuburger als Hoch- und Deutschmeister mit Oberflörsheim verbunden „Die Komturwürde in Oberflörsheim sollte nun auch katholische Ordensritter versorgen, der gemäß dem Konfessionskompromiss bei nächster Vakanz auch Landkomtur werden würde“[Anm. 5].

Der Pfälzer Erbfolgekrieg (1688-1697) wirkte sich im linksrheinischen Teil der Pfalz negativ für den Orden aus. Das Edikt Ludwigs XIV., das dem Lazarusorden den Besitz mehrerer Ritter- und Mönchsorden übertrug, fand auch im französisch besetzten Gebiet Anwendung. 1685 wurde die Komturei Ober-Flörsheim dem burgundischen Großpriorat des Lazarusordens zugewiesen.

Nach dem Frieden von Rijswijk wurde ab 1697 die Kommende wieder aufgebaut, die während der französischen Besetzung stark beschädigt worden war.

Ab dem 17.Jh. bestand in Oberflörsheim kein Konvent mehr, sondern nur noch eine Komturei, deren Amtsinhaber aber meist nicht mehr vor Ort residierte. Auch im 18.Jh. waren die Komture „sehr wenig vor Ort präsent“[Anm. 6].

Im Kriegsbericht über das Gefecht von Oberflörsheim (30.3.1793) wird die Komturei nicht erwähnt[Anm. 7]. Am Nachmittag des Tages wurde der Ort von einer „furchtbaren Kanonade“[Anm. 8]betroffen. Amtmann von Alefeld musste bei Einzug der Franzosen fliehen und erlitt den Verlust seines Vermögens.

Als 1794 preußische Truppen vor Ober-Flörsheim standen, nahm (16.1. – 10.5.) Blücher Aufenthalt in der Komtur.

Nach dem Baseler Frieden (1795) zogen erneut die Franzosen in Ober-Flörsheim ein; der Amtmann (Schaffner) der Komturei floh.

1801 erfolgte de iure die Auflösung der Deutschordensniederlassung in Ober-Flörsheim.

Anmerkungen:

  1. Militzer, Wirtschaftsentwicklung, S.10 Zurück
  2. Armgart / Untermann, 341/anm>, denn die Vogtei über den Ort stand den Herren von Bolanden zu.
    Urkundlich belegt ist die Existenz des Konventes 1253 im Zusammenhang mit der Schlichtung eines Streites durch Graf Emich von Leiningen; in der Zeugenliste genannt finden sich drei Deutschordensbrüder, unter ihnen Gerhard gen. Schmuzoln (Smuzelin).
    Zugeordnet war die Kommende der Komtur Marburg, eine formelle Übereignung an Marburg findet sich nicht. Marburg hatte zwar die „Oberaufsicht“Armgart / Untermann, S. 332 Zurück
  3. Braasch-Schwersmann, Marburg, S. 42 Zurück
  4. Reif, S. 62 Zurück
  5. Armgart / Untermann, S. 335 Zurück
  6. Armgart / Untermann, S. 337 Zurück
  7. Vgl. allg. Reif, S. 44-48 Zurück
  8. Reif, Beschreibung, S. 46 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Oberflörsheim - Deutschherrenkommende. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/oberfloersheim-deutschherrenkommende.html> (Letzter Aufruf: 14.12.18)