Klöster in Rheinhessen

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Gebäude

Über die Gebäude unterrichten dendrochronologische Befunde, schriftliche Quellen und Inschriften. Für 1468 nachgewiesen ist der Neubau einer Kelter. Weitere Baumaßnahmen sind belegt aus den Jahren 1571 und 1708, sowie 1728/29. Für letztere leistete die Deutschordenskommende in Frankfurt finanzielle Hilfe.

Der Bau des Komtureihauses habe „wohl ... nach 1697“[Anm. 1] begonnen.

Im barocken Bau fand ein auf das Jahr 1302 datierter Balken erneute Verwendung.

Im 18.Jh. wurden weitere Räume ausgebaut. „Der größere Teil des Gebäudes blieb aber bis zur Auflösung der Kommende unfertig und ungenutzt“[Anm. 2].

Reif referiert eine detaillierte Beschreibung der Komturgebäude aus dem Jahr 1773: das das als sehr baufällig beschriebene Gebäude war danach 137 ½ Schuh lang / 37 ½ Schuh breit (39,4 m / 11,0 m); in der unteren Etage befanden sich 25 Fenster. Zumindest im Sockelbereich hatte man ein älteres Gebäude übernommen. Das Lilienwapen wird dem Komtur Johann Adolf Langwerth von Simmern (1692/1700) zugeordnet.
Erwähnt wird in der Beschreibung ein steinerner Torbogen; zwischen zwei Gebäuden befand sich ein Tor aus Eichenholz. Ein weiteres Tor wird als hinteres Tor oder „großer Turm“ bezeichnet.
Das Schaffnerhaus war mit einem Keller ausgestattet. Die Beschreibung nennt weiter ein „Vorhaus in der Kapelle“[Anm. 3].
Der Vorhof umfasste den Schuppen der der Schaffnerei, Backofen und Backstube.

Hinter dem Komturgebäude befand sich ein Garten, „auf der Ringmauer stehet ein Sommerhaus mit 2 Zimmern“[Anm. 4]. Hinter dem Wohnhaus des Verwalters befand sich ein von einer Ringmauer, dem Hof und der Scheune umschlossener Gemüsegarten. Hinter der „Verwalterei“ war eine „Traubenallee“ angelegt. Die Ringmauer war „inwendig mit allerlei Spalierobst“ bewachsen, dessen Genuss dem Verwalter zustand. Erwähnt wird ein „Lustgarten“[Anm. 5], der dem vorderen Tor gegenüber lag. Unter diesem befand sich ein mit einem „lebenden Zaun“ umgebener „Kälbergarten“[Anm. 6], der zum Teil mit Obstbäumen bepflanzt war.
An Stallungen befanden sich in der Anlage Pferde-, Hühner- und Schweineställe. Weiter genannt werden ein nicht näher beschriebene Ställe, darunter ein Viehstall mit einer Schlafkammer.
In der Anlage befanden sich zwei Teiche: der sog. große Teich in der Nähe des Kälbergartens und ein kleiner Teich, der „mit etwas Hecht besetzt“ [Anm. 7]war und sich in den Nähe des Konventsgebäudes befand.
Eine Scheune rechts vom Turm maß nach Angaben Reifs 203 Fuß in der Länge und 47 Fuß in der Breite; in ihre befanden sich drei Tennen, „oben Kutschenhaus“[Anm. 8]. Weiter eigens genannt ist ein Holzschuppen und eine Scheune mit dem „Hardenberg’schen Wappen“ und dem Ordenskreuz.
Das Haus war vornehm ausgestattet[Anm. 9].

Neben dem Ensemble befanden sich ein Backhaus und zwei Mehlmühlen im Besitz des Deutschordens.

Ein Plan aus dem Jahr 1806 zeigt Wohngebäude (Komtureihaus, Schaffnerei, Pächterhäusern und Hofleutehaus), den Torturm der früheren Anlage, Ställe und Scheunen (Zehntscheune, große Scheune), eine Kelter, einen Gewölbekeller sowie den innerhalb des Ensembles gelegenen Teich.

 

Der Besitz des Ordens ging in Privatbesitz über. Bei der Versteigerung der Nationalgüter ermittelte W.Schieder folgende Liegenschaften des Deutschordens. (Die Namen der Pächter und Käufer sind in der bei Schieder verwendeten Form angegeben).

Schätzpreis (Francs) Kaufpreis
12.5.1807 Dalsheim Gut und Äcker Pächter Adam Bertgen und „Konsorten“ Wiederangebot am 24.7.1807 5400 unverkauft
24.7.1807 Dalsheim Gut und Äcker Wiederangebot vom 12.5.1807: Pächter: Adam Bertgen und „Konsorten“ Käufer: Julien Noiré, Mainz, behielt sich Weiterverkauf vor 1776 2850
16.9.1807 Gundersheim Acker Pächter: Melchior Weins Käufer: Karl Parcus, Mainz, behielt sich Weiterverkauf vor 1300 1775
26.1.1809 Gundersheim Weinberg Pächter; Franz Samensreider, Käufer: Peter Andreas Guilino, Alzey Weiterverkauf vorbehalten 720 1975
30.08.1809 Gundersheim Weinberg Wiederangebot vom 26.1.1809 Pächter; Franz Samesnreiter Käufer: Philipp Rauschert 720 725
25.10.1803 Kettenheim Gut, „Platz“, Garten und Ackerland Pächter: Johannes Merz Käufer: Johann Müller, Kettenheim 5720 12.500
26.11.1806 Ober-Flörsheim Speicher; Zehntscheune Pächter: Wilhelm Antz Käufer: Franz Müller, Ober-Ingelheim 1200 1925
30.09.1808 Ober-Flörsheim Ackerland Pächer: Wilhelm Antz Käufer: Wilhelm Antz / Georg Koster / Heinrich Bentz 2300 3750
30.09.1808 Ober-Flörsheim Ackerland Pächter: Heinrich Devis Käufer: Philipp Bentz 2400 4000
30.09.1808 Ober-Flörsheim Ackerland Pächter: Theodor Schwartz Käufer: August Roemer, Alzey 5600 6400

(Vgl. Schieder, Mediatisierung IV, Nr. 9212, 12.238, 12.239, 12.299, 12.302, 12.303, 12.355, 12.358, 12.359, 12.360).

Das Komtureihaus wurde 1825-1968 als Schulgebäude genutzt. Seit 1980 beherbergt es das Bürgerhaus und das Heimatmuseum.

Erhalten ist ebenso noch ein inzwischen vermauertes Fenster aus dem Spätmittelalter an der Westwand der Schaffnerei, ebenso der spätmittelalterliche Torturm der alten Anlage.  


Anmerkungen:

  1. Armgart / Untermann, S. 349 Zurück
  2. Armgart / Untermann, S. 349 Zurück
  3. Reif, S. 64 Zurück
  4. Reif. S. 64 Zurück
  5. Reif, S.64, Armgart / Untermann, S.350 Zurück
  6. Reif, S. 64 Zurück
  7. Reif, S. 65 Zurück
  8. Reif, S. 64 Zurück
  9. Vgl. Armgart / Untermann, S. 353 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Oberflörsheim - Deutschherrenkommende. Gebäude. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/oberfloersheim-deutschherrenkommende/gebaeude.html> (Letzter Aufruf: 23.09.19)