Geschichtlicher Abriss des Klosters Niederehe

Klostergeschichte

Der Ort hiea war bereits Gegenstand einer Urkunde aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts über den Gütertausch (Prekarievertrag) des 11. Abtes zu Prüm, Ingramnus. Ein Sibido von Esch wurde 1136 als erster Besitzer der nahen Burg Kerpen genannt. Das Geschlecht der Herren von Kerpen ist gleichfalls seit 1136 bezeugt. Wenig später erschien Heinrich I. von Kerpen (1142-1177). Am Patronatsrecht und dem Zehnten von Niederehe waren wohl beide beteiligt. Um 1148 war das Dorf Niederehe Pfarrort mit einem Pfarrer, der, nach Schorn, den Namen Sibodo trägt. Die Söhne des Heinrich I. von Kerpen, Albero (1158-1197), Alexander (1168-1197) und Dietrich (1173-1201) erhielten 1162 die Zusage des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg zur Gründung eines Stiftes für adelige Jungfrauen nach der Augustiner-Regel an der Pfarrkirche von Niederehe . Daraufhin stellten die Brüder bis 1175 Güter in Niederehe und an anderen Orten zur Verfügung und begannen mit dem Bau eines Klosters „ allodium in villa, qua dicitur Ye“ . 1197 verfügte der Kölner Erzbischof Adolf I., die Gemeinschaft nicht durch eine Äbtissin, sondern nur durch eine „magistra“ leiten zu lassen. 1218 erhielt das Frauenkloster das Recht über die schon länger bestehende Pfarrkirche von Niederehe und deren Zehnt. 1223 wurde der Umfang des Konvents auf 25 Klosterfrauen festgelegt. 1226 unterstellte der Kölner Erzbischof Heinrich Kloster und Pfarre dem Abt von Steinfeld.

Damit verbunden war eine zweifache Verpflichtung: Stellung eines Priors und dessen Sorge für den Gottesdienst von Konvent und Pfarre.

Dank reicher Zuwendungen vom Adel, von Klerikern und Laien erfuhr Niederehe im 13. und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen wirtschaftlichen Aufschwung. So vermachte 1212 der Trierer Erzbischof Johann dem Kloster 5 Pfund. Als 1244 das Kloster noch immer nicht vollendet war, erteilte Erzbischof Konrad von Köln den Nonnen eine Kollektenerlaubnis. Auch Rom anerkannte das Vorhaben der Schwestern: Papst Innocenz IV. bestätigte alle Rechte und Besitzungen des Klosters.

1322 erhielt das monasterio Sti. Leodegari zahlreiche Ablässe, die vom Patriachen von Jerusalem, Aegidius, und anderen Bischöfen genehmigt wurden. Die Ablässe lösten insbesonders im 14. Jahrhundert großen Zuspruch bei Pilgern aus.

Die Prosperität dieser Jahrzehnte blieb allerdings nicht ohne Folgen. Die angestrebte strenge Lebensführung wich weltlichen Maßstäben und Ansprüchen.

In der zweiten Hälfte des 14. und im 15. Jh. kam es zur nachhaltigen Lockerung der Lebensformen. Eine nachlässige Verwaltung schwächte zudem die wirtschaftliche Basis. Wiederholt wurden Reformversuche unternommen – allerdings vergeblich. So schlug Friedrich von Sombreff , Nachfolger der Stifterfamilie von Kerpen, zu Beginn des 15. Jahrhunderts vor, das Frauenkloster aufzuheben und stattdessen mit Prämonstratenser-Chorherren aus Steinfeld zu besetzen. Doch auch dieser Vorstoß scheiterte am klösterlichen Widerstand.

Der große Klosterbrand von 1474, bei dem auch das Kirchendach Schaden nahm, wurde  von vielen als Menetekel des Himmels gedeutet. Doch die religiöse Frauengemeinschaft kam nicht zu Sinnen. So wird berichtet, die Nonnen hätten Ablässe gegen Geld von der Kanzel angepriesen.

Jetzt endlich griffen die früheren Versuche, das Kloster zugunsten einer Chorherrengemeinschaft aufzulösen: In Abstimmung mit dem Abt von Steinfeld gründete 1505 Graf Theoderich von Manderscheid-Blankenheim, als Nachfahre der Stifter, das bisherige Nonnenkloster neu und unterstellte es als Männerkonvent den Prämonstratensern aus Steinfeld.

Lasten und Abgaben des Klosters wurden übernommen. Verbleibende Ländereien, Erbgüter, Fischerei-, Jagd- und andere Rechte konnten die schwierige wirtschaftliche Lage auffangen und weiter stabilisieren.

Die wieder hergestellte Kirche St. Leodegar wurde bereits am 22. August 1505 geweiht. Am 11. November 1507 übergab Graf Theoderich der klösterlichen Gemeinschaft 300 „överländische Gulden“. Die Leitung der Neugründung übernahm jetzt ein Prior, der von Steinfeld entsandt wurde.

Mit der Augsburger Konfession traten die Nachkommen der Stifter, jetzt die Herren von Manderscheid-Schleiden zur neuen Lehre über. Graf Dietrich V. (1551-1560) führte in seinem Territorium nach und nach die Reformation ein. Sohn Dietrich VI. (1560-1593) folgte der Vorgabe und ab 1569 war in Niederehe auch das lutherische Bekenntnis präsent. Die katholischen Patres gaben nicht auf, blieben Ort und Region treu und waren weiterhin im kurkölnischen und kurtrierischen seelsorgerisch engagiert. Die ehemalige Pfarr- und Klosterkirche wurde in der Folge geteilt: Der Chor war dem katholischen Ritus, das Kirchenschiff dem evangelischen vorbehalten.

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detailansicht[Bild: Michael Jeiter]
Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detailansicht[Bild: Michael Jeiter]

Mit dem Tod des kinderlosen Dietrich VI. 1593 wechselte die Herrschaft. Sie kam in den Besitz des katholischen Grafen Philipp von der Mark, verheiratet mit der Schwester Dietrichs VI., Katharina von Manderscheid-Schleiden. Nach der Maxime „Cuius regio eius religio“ wurde am 10. Oktober 1593 die Teilung der Klosterkirche rückgängig gemacht. Unter dem Prior Michael Wehr nahmen die Prämonstratensermönche Kloster und Kirche in Besitz. Im Jahr 1700 wurde ein Noviziat gegründet. Neuer Wohlstand kehrte in die Einrichtung ein. Militärische Erfolge der französischen Revolutionstruppen führten von Dezember 1792 bis Frühjahr 1793 dazu, dass das Rheinland dann ab Herbst 1794 nahezu 20 Jahre besetzt blieb. Zum Ende des Jahrhunderts lebten in Niederehe ein Prior, der zugleich das Amt des Pfarrers wahrnahm, ein Subprior und sechs Konventualen. Letzter Prior und Prämonstratenserpfarrer in Niederehe war seit 1798 Eberwin Eschweiler.

Nachnutzung, späteres Schicksal

1802 wurde das Kloster im Zuge der Auflösung aller Klöster links des Rheins aufgehoben. Die Klosterkirche blieb als Pfarrkirche erhalten. Das Klostergebäude wurde nach dem Dekret Napoleons von 8. April 1802 der Pfarrei überlassen. Auch die ehemalige Priorswohnung im Klostergebäude wurde der Pfarrgemeinde übertragen. 1803 übernahm der letzte Prior des Klosters die Pfarrerei. Am 18. Juni 1804 erfolgte die Versteigerung der Güter für 1260 Taler. Für ein Brauhaus wurden 245 Taler und die Klostermühle 360 Taler erzielt.
Im gleichen Jahr kam die bis dahin kölnische Pfarrei als Sukkursalpfarrei des Kantons Lissendorf bei Hillesheim zum Bistum Trier.

 

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Üxheim - Kloster Niederehe. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/uexheim-kloster-niederehe/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 13.11.18)