Bau- und Kunstgeschichte des Klosters Niederehe (Üxheim)

0.1.Aufbau der Klosteranlage

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Grundriss[Bild: Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz]

Mit dem Bau des „coenobium sororum prope Kerpene“ wurde gegen 1200 begonnen. 1244 waren die Klostergebäude noch nicht vollendet. Möglicher Grund dafür könnten eventuelle finanzielle Engpässe sein. So stattete Erzbischof Konrad von Köln die Ordensfrauen mit einer Kollektenerlaubnis aus. Die Klostergebäude brannten 1475 nieder, von der Kirche waren nur die Dächer betroffen. Nach Instandsetzung der Kirche, 30 Jahre später am 22. August 1505, konsekrierte der Kölner Weihbischof Dietrich Wichwael (1504-1519) zu Beginn seiner Amtszeit die Klosterkirche mit 6 Altären erneut.

Der Abschluss des Neubaus der klösterlichen Anlage erfolgte 1507.

Im 17. Jahrhundert wurden die Klosterbauten baufällig. Um 1640 erfolgte unter Prior Johann Latzius (1638-1644) eine Erneuerung der Baulichkeiten: ein Teil des Klosters wurde neugebaut bzw. repariert. So entstand um 1650 der Nordflügel. Nach einem Brand erfolgte dann eine vollständige Erneuerung des Westflügels von 1776-1782 unter dem Prior Gottfried Wachendor. Der Neubau war bündig mit der Westfront der Kirche konzipiert und wurde zusammen mit einem Kreuzgang an der Nordseite der Kirche errichtet. 

Der Westflügel dient heute als Pfarrhaus, während der ältere Nordflügel als Wirtschaftsgebäude fungierte und heute vermietet ist. Die Klosterbauten sind zweigeschossig. Der ältere Teil ohne Sockel weist elf Achsen und einfache Rechteckfenster auf. Der jüngere Teil des Anwesens verfügt über ein gebrochenes Dach, ebenfalls elf Achsen, das mittlere Fenster jeweils verbunden mit einfachem Oberlichtportal über einer Freitreppe. Im rankengefüllten Aufbau des Portals erinnern das Wappen der Abtei Steinfeld, die Buchstaben C. N. ( coenobium Norberti) und die Zahl 1777 auf einer schildförmigen Kartusche an die vergangene Bedeutung der monastischen Anlage.

0.2.Kirche

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Innenansicht[Bild: Michael Jeiter]

Der älteste Teil der heutigen Klosterkirche ist das südliche Nebenschiff. Es ist quasi die Urzelle des Bauprojekts. Sie ist zwischen 1162 und 1175 entstanden und wird später liebevoll als „ahle Kirche“ bezeichnet. Im Bereich der Fundamente sind 1936 zwei fränkische Gräber mit Beigaben gefunden worden. Vermutlich hat sich hier im frühen Mittelalter ein Friedhof befunden. Mit dem Bau des heutigen Kirchenschiffs gegen 1200 wurde die „ahle Kirch“ zum Seitenschiff und diente lange Zeit als Grablege derer von Kerpen. Ursprünglich war es nur vom ersten Joch des Hauptschiffes zugänglich. Die Turmhalle war offen und alle Joche waren rippenlos kreuzgewölbt.

Die westliche Hälfte des Seitenschiffs wurde im 16. Jahrhundert zum Hauptschiff geöffnet und mit Hohlkehlrippen und einem dreiflächig gekanteten Gurtbogen kreuzgewölbt. Aufgewertet mit einen dem hl. Antonius geweihten Altar wurde die „ahle Kirch“, dann in Antoniuskapelle umgetauft, aufgrund der Ablässe zum begehrten Ziel zahlreicher Pilger.

Die heutige Pfarrkirche entstand um 1200 und ist als romanischer Bau bis in unsere Zeit unverändert geblieben. Beim schmalen Hauptschiff handelt es sich um einen lang gestreckten verputzter Bruchsteinbau mit 4 Jochen, im Lichten 6,50 m breit und mit einem polygonalen Chorschluss 33,50 m lang. Das Hauptschiff mit Kreuzgratgewölben zwischen spitzbogigen Gurten weist vier quadratische Joche mit einer fünfseitig gebrochenen, nicht eingezogenen Apsis auf. Sie wird außen durch flache Rundbogenblenden gegliedert. Apsis und Chorjoch weisen Wandbemalungen aus der Erbauungszeit auf: um das Chorjoch weiße Flächen mit dünnen farbigen Gliederungen, in der Apsis großformatige Quadermalerei, abwechselnd in Rot und Grau mit abschließendem spätromanischen Tierfries.

Die das ganze Westjoch einnehmende Nonnenempore wird getragen von zwei niedrigen steinernen Mittelpfeilern mit Kreuzgewölbe. Vor der Wölbung des Hauptschiffs um 1230 kann es einen flachgedeckten 1. Zustand gegeben haben: ein vermauertes Fenster wird vom Gewölbe überschnitten. Da die übrigen Fenster, paarweise mit der Wölbung zusammengerückt, zusammengehören, bleibt für Kubach dieser Rückschluss fraglich. Balkeneinschnitte auf der Mauerkrone sind eventuell auch auf eine provisorische Decke oder den Dachstuhl zurückzuführen.

Über dem zweiten Joch des Seitenschiffes erhebt sich der viergeschossige Glockenturm mit gekuppelten Rundbogenfenstern als Schallarkaden.

0.3.Materielle Kulturgeschichte und Bauausstattung

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detailansicht[Bild: Michael Jeiter]

Von der Renaissance- und Barockausstattung des 16. und 17. Jh. sind hervorzuheben: Reste des ehemaligen Hochaltars mit Steinrelief und Kreuzabnahme ( um 1700), ein lebensgroßes Triumphkreuz, eine barocke Kreuzigungsgruppe, Skulpturen der Hll. Christophorus, Leodegar, Mauritius, ferner Figuren von Antonius dem Einsiedler, Judas Thaddäus und dem hl. Hermann Josef. An der Ostwand des Seitenschiffs befindet sich das 1964 freigelegte und restaurierte Wandgemälde des - Hl. Leodegarius (um 1500).

Auf der ehemaligen Nonnenempore hat das spätgotische Chorgestühl von 1530 mit zwei Rückwänden und jeweils 7 Sitzen (beiderseits der Orgel) einen Platz gefunden. Bis 1964 hat es im Chor gestanden. Die zahlreichen guten Schnitzereien zeigen die hl. Maria, Johannes den Täufer, den Kirchenpatron Leodegar, den Kirchenvater Augustinus sowie kleine Fabeltiere und Kopfgrotesken. Die dazu gehörenden vier Kirchenbänke mit geschnitzten zweiseitigen Abschlusswangen befinden sich in den beiden Seitenschiffen der Kirche.

Den vorderen Abschluß der Empore bildet das kunstvolle, ursprünglich 5 m hohe schmiedeeiserne Chorgitter von 1643 mit dem, aus Blech geschnittenen Wappen der Abtei Steinfeld.

0.3.1.Altäre

1352 wird erstmals der Antoniusalter genannt. 1507 ist er dem Kloster inkorporiert worden.

0.3.2.Skulpturen, Relief und Kreuz

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detailansicht[Bild: Michael Jeiter]

Halbfiguren des hl. Norbert und des hl. Leodegars befinden sich an der Längswand des Kirchenschiffes. Ursprünglich haben sie zu Seiten des ehemaligen Tabernakels gestanden und sind Teil gewesen des entfernten Hochaltars (um 1700), den ein holzgerahmtes Steinrelief mit einer Darstellung einer Rubenschen Kreuzabnahme geschmückt hat.

Um 1500 wurde ein Triumphkreuz geschaffen, das mittlerweile einen angemessenen Platz unter dem Gewölbe des östlichen Joch des Langhauses gefunden hat. Die außergewöhnlich qualitätvolle Arbeit des „Dreinagelkruzifix“, kommt damit wieder zu seiner berechtigten Geltung.

0.3.3.Grabstätten und Grabmäler

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detailansicht[Bild: Michael Jeiter]

Dankbare Patres errichteten in der Klosterkirche um 1625 ein Hochgrab für den Grafen Philipp von der Mark (+ 1613) und seiner Gemahlin Katharina von Manderscheid-Schleiden (+ 1593) aus schwarzem belgischem Marmor. Nach seinem Platz vor dem Hochaltar über der Gruft der Verstorbenen wurde es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts am westlichen Ende des Seitenschiffs aufgestellt. Die Darstellung der lebensgroßen Körper auf der Figurenplatte ist eine eindrucksvolle Arbeit, die dem belgisch-niederländischen Kunststil zu zuordnen ist. Die sehr gut erhaltene Figurenplatte liegt in einem Profilrahmen. Die lebensgroßen Körper sind dreiviertel vollfigürlich. Die gut ausgearbeiteten Köpfe liegen ein wenig angewinkelt auf Kissen. Die Ahnenwappen sind erhalten, die Platte mit den Ahnen des Grafen und die Inschrift fehlen.

Vergleichbare Hochgräber befinden sich in der Schleidener Schlosskirche, in Mayschoss und Reuland (Belgien).

0.3.4.Orgel

Hinter der barocken Emporenbrüstung befindet sich heute hart an der Westwand die älteste spielbare Orgel in Rheinland-Pfalz. Es ist ein Werk des bedeutenden Orgelbaumeisters Balthasar König, der in Niederehe sein erstes, persönlich mit Blei signiertes Instrument geschaffen hat. Die dreiteilige „Königin der Instrumente“ verfügt über elf Register. Die Orgel in der Klosterkirche ist nicht – wie sonst üblich – in der Vergangenheit „wohltemperiert“, sondern nach ihrem originären System mitteltönig gestimmt. Ihre Harmonien erscheinen deshalb klarer und auch „weicher“, die Disharmonien dagegen greller.

Eine ambitionierte Orgelrenovierung 1997/98 in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalpflege hat sich bemüht, diese originalen Werte zu erhalten. Wegen ihrer autentischen Klangfarbe ist die Orgel nur für Kompositionen geeignet, die nicht mehr als drei Vorzeichen aufweisen. In der Konsequenz sind also nur Stücke spielbar, die vor 1750 komponiert wurden oder ganz moderne Werke.

Nach Notizen des Pfarrarchivs in Niederehe ist dem Meister die Herstellung einer Orgel 1714 für 285 Reichstaler und zwei Weinlieferungen „verakkordiert“ worden. Ein Jahr später war das Werk in Niederehe vollendet.

0.3.5.Wandmalereien und Gemälde

Kloster Niederehe - Klosterkirche, Detail[Bild: Michael Jeiter]

In der sog. „ahle Kirch“ wurde ein Wandgemälde des hl. Leodegar um 1500 freigelegt. Im Chorraum befinden sich die Reste der ehemaligen Ausmalung aus dem 13. Jahrhundert.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Üxheim - Kloster Niederehe. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/uexheim-kloster-niederehe/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 24.06.19)