Klöster am Mittelrhein

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Bau- und Kunstgeschichte

0.1.Aufbau der Klosteranlage

0.1.1.Kirche

Kloster Arnstein - Gesamtansicht[Bild: Joeby]

Nicht zuletzt die geologischen Gegebenheiten, die Anlage liegt auf einem Bergsporn, führten zu einer langen Bauzeit der Kirche. Es handelte sich um eine spätromanische dreischiffige Pfeilerbasilika. Der Westteil der Kirche, Westchor, Westtürme, sowie das Langhaus entstanden in der zweiten Hälfte des 12.Jhs. Bis zum Beginn des 13.Jhs. entstanden das Querhaus, der Ostchor und die um ihm gruppierten Seitenkapellen. Am 17.9.1208: erfolgte die Weihe der Stiftskirche durch Erzbischof Johannes I. von Trier (1189/1212). Der Westchor diente den Konversen zu Gottesdienst, während im Ostchor die geweihten Konventsmitglieder ihren Gottesdienst abhielten. Um 1220/30 entstand der Kreuzgang (1818 niedergelegt). An die Kirche schloss sich die Zelle für die Ehefrau des Stifters an. Urkundlich erwähnt wurde diese Klause 1494; bis in das 17.Jh. hatte sie Bestand. 1670 war sie bereits baufällig und Anfang des 18.Jhs. bis auf wenige Mauerreste zerstört. Am 11.8.1248 wird die Weihe einer Michaelskapelle (Friedhofskapelle, Beinhaus) verzeichnet. Ab 1359 ließ Abt Wilhelm von Staffel die Kirche erweitern und umbauen. Eine Bauinschrift vom 1.5.1359 spricht von einem Wiederaufbau. Neu gestaltet wurde der Ostchor, der dem gotischen Stil entsprechend, hohe helle Fenster erhielt. Ebenso erhielten die Seitenkapellen und das Mittelschiff neue Fenster. Das Kirchenschiff, Westchor und Querhaus wurden statt des bis dahin bestehenden flachen Daches mit einem Kreuzrippengewölbe überwölbt. Der Westteil der Kirche hat bis heute seine romanische Form weitgehend bewahrt. Die Bautätigkeit in der Barockzeit unter Abt Nikolaus Mazenbach (1730/60) betraf hauptsächlich die Innenausstattung der Kirche. Das 1814 abgerissene Querhaus wurde 1884/87 in gotisierender Form wieder aufgebaut.

0.1.2.Klausur- und Konventsgebäude

In den 80-er Jahren des 12.Jhs. waren die Klostergebäude vollendet. Die einzelnen Gebäude waren im einen quadratischen Innenhof oder Garten gruppiert. Erhalten ist aus dieser Zeit im Kern das heute im privaten Trakt des Klosters liegende Refektorium (entstanden um 1175).

Im Norden lag die Kirche, im Osten das Kanonikerhaus, im Süden das Refektorium und im Westen beschloss eine hohe Mauer das Ensemble. Zwischen Tor und Pfortenhaus (= Zugang zur Klausur) befanden sich die Wirtschaftsgebäude, die ebenfalls um einen Hof gruppierten. In diesem Teil der Anlage befanden sich auch die - heute noch in Teilen erhaltene gotische Kapelle, die wahrscheinlich Gottesdienstraum der Bediensteten war und das Hospital.

Erhalten ist die im barocken Stil erbaute Kellerei.

0.2.Materielle Kulturgeschichte

0.2.1.Altäre, Kanzeln, Taufsteine

Kloster Arnstein - Barockaltar[Bild: Lothar Spurzem]

Aus mittelalterlicher Zeit haben nur wenige Ausstattungsstücke der Kirche die Zeitläufte überstanden. Erhalten sind Teile der romanischen Schmuckbodenfliesen, die eisenbeschlagene Tür der westlichen Vorhalle (12.Jh). sowie das um 1360 entstandene Chorgestühl und der „Dreisitz“ (14.Jh.). In der ersten Hälfte des 16.Jh. sind 13 Altäre genannt, von denen neu eindeutig zugeordnet werden können: Hochaltar (17.9.1208 geweiht, Patron St.Nikolaus), Johannes Evangelist (1354 nachweisbar), Petrus und Paulus, Kreuzaltar, Unsere Liebe Frau )Marienaltar, 1.6.1488 urkundlich erwähnt), Johannes der Täufer, Martin, Sebastian, Barbara. Ein weiterer Altar, ebenfalls Kreuzaltar (Symbol des Leidens und der Erlösung) stand im Infirmarium (1802 noch vorhanden). Während der Umgestaltung der Kirche im 18.Jh. entstand der Hochaltar (1765). Die Kanzel entstand während der barocken Innenraumgestaltung der Kirche (1757). Drei der Altäre wurden 1635 zerstört.

0.2.2.Kelche, Monstranzen, liturgische Geräte, Paramente

Quellen aus dem 17.Jh. berichten vom Vorhandensein zweier Rauchfässer aus dem 16.Jh. Ein Kelch, ein tragbarer Altar und eine mit Edelsteinen verzierte Kasel, ein Geschenk Karls IV. an Gräfin Irmingard v. Nassau, die sie der Abtei weitergab, wurden im 17.Jh. nach Köln verbracht. Sie sind nicht mehr erhalten. Aus der Zeit der Prämonstartenserniederlassung stammt eine Monstranz.

0.2.3.Kreuze und Skulpturen

Von Bedeutung aus der Zeit der Abtei sind ein Steinkruzifix aus dem 14.Jh. (vor der Kirche) und das um 1520 entstandene Arnsteiner Kruzifix (Triumphkreuz).

0.2.4.Grabstätten, Grabmäler

Siehe "Grablegen" in der Rubrik 'Religiöses und spirituelles Wirken'.

0.2.5.Orgeln

Zwischen 1496 und 1504 wurde eine Orgel gebaut, die 1635 zerstört wurde. Die in der zweiten Hälfte des 17.Jhs. gebaute Orgel wurde 1795/6 zerstört.

0.2.6.Glocken

Bei der Weihe der Kirche (1208) gab es bereits ein Geläut. Erhalten hat sich die sog. Friedensglocke aus dem Jahr 1648.

0.2.7.Kirchenfenster

Die Kirche verfügte über reiche Glasmalereien, geschaffen durch den Konversen Gerlach. Freiherr vom Stein erhielt 1815 die noch vorhandenen Malereien zum Geschenk. Die fünf erhaltenen Scheiben finden sich heute im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster. Im gleichen Museum befinden sich Reste der Glasscheiben des Ostchores. Zwei von ihnen befinden sich in der Koblenzer Kirche St.Florian (Geschenk des Freiherrn vom Stein).

0.2.8.Gemälde, Wandmalereien, sonstige Ausstattung

Ein Triptychon aus dem ersten Drittel des 16. stellt die Stifter dar. An bildlichen Darstellungen zu nennen sind die Ölgemälde aus dem 17.Jh., die die Stifter darstellen. Weitere Gemälde stellen den Neid dar, Jesus am Ölberg sowie Norbert von Xanten und Hermann-Josef von Steinfeld.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Dr. Dr. Martina: Obernhof - Prämonstratenserabtei Arnstein. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/obernhof-praemonstratenserabtei-arnstein/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 19.11.19)