Klöster am Mittelrhein

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Geschichtlicher Abriss

0.1.Kloster-/Stiftsgeschichte

Gestiftet wurde Prämonstratenserniederlassung 1139 durch Graf Ludwig III. von Arnstein (~1109-1185), verehelicht mit Guda von Baumburg. Vorangegangen war diesem Schritt eine fundamentale Wende in seinem Leben, eine Abwendung der bisherigen kriegerischen Ausrichtung hin zu einer vita apostolica, einem frommen Leben. Er gehört damit nicht zu dem Typus des Klosterstifters, dessen Leben schon immer von tiefer Frömmigkeit geprägt war. Seine Vita beschreibt die Burg Ludwigs III. als einen „Ort des Schreckens und des Terrors“ (Birkmeyer, S.134). Der Graf habe Plünderungen und Zerstörungen durch seine Ritter zugelassen, sei gleichsam ein Raubritter gewesen, der die arme Bevölkerung unterdrückt habe.  Ludwig III. von Arnstein, der urkundlich allerdings nur in zwei Fällen erwähnt ist,  übergab seine Burg und seine Güter dem Prämonstratenserorden, der gerade in dieser Zeit eine rasche Ausbreitung fand. Dieser Schritt bedurfte der Einwilligung Gudas, die sie jedoch zunächst verweigerte. Die Gründe, die Guda gegen die Umwandlung der Burg in ein Stift anführte, sind in der Vita Ludwigs III. nicht angeführt. Die Ehe jedenfalls war kinderlos geblieben, so dass dynastische Fragen vielleicht keine Rolle gespielt haben. Die Vita berichtet nur von Ermahnungen, die Guda zum Einlenken gebracht hätten.

Ludwig III. selbst hatte auch Bindungen an den Benediktinerorden, da er sich im Necrologium des Klosters Maria Laach verzeichnet findet. Mutterkloster für Kloster Arnstein war das von Norbert von Xanten begründete Kloster Gottesgnaden bei Calbe /Saale, mit dessen Stifter, Otto von Reveningen, Graf Ludwig III. verwandt war.

Einfluss übte möglicherweise auch das Kloster Rommersdorf aus.

Die Besitzbestätigung durch Papst Innozenz II. (1130/1143) erfolgte am 30.9.1142. Ebenso wurde der Niederlassung die freie Vogtwahl gestattet. In dieser Urkunde erwähnt wird eine Urkunde des Trierer Erzbischofs Albero von Montreuil (1139/1152), der das Kloster unter seinen Schutz genommen und ihn mit Besitz ausgestattet hatte.

Im Mai 1145 nahm auch Kaiser Konrad III. (1138/1152) das Kloster unter seinen Schutz.

Der Trierer Erzbischof Hillin v. Fulmagne (1152/1169 )bestätigte durch Urkunde vom 29.10.1156 die Arnstein gewährten Privilegien und nahm die Niederlassung unter seinen Schutz. Auf der Basis dieses Schutzverhältnisses versuchte das Erzbistum seinen Einfluss auf Arnstein zu vergrößern. Ebenfalls Einfluss sichern wollten sich die Grafen von Nassau, zu denen man freundschaftliche Beziehungen unterhielt.

Vorgesehen war auch die Einrichtung eines Frauenklosters in Arnstein, doch wurde der Plan nach Krings wahrscheinlich nicht realisiert. Birkmeyer hingegen geht von der Gründung eines Frauenklosters Bethlenrode aus, da eine solche Niederlassung in der Vita erwähnt sei.

Nach dem Eintritt des Stifters in sein Kloster zog seine Ehefrau sich, so die Quellen, die keine weiteren Details berichten, zurück. Nach den Schilderungen bewohnte sie eine kleine Zelle in der unmittelbaren Nähe des Stiftes; sie lebte dort als Recluse.

Beim Tod des Stifters hatte die Niederlassung eine positive Entwicklung genommen. Nicht zuletzt trug dazu bei, dass Arnstein unter dem Schutz der Trierer Erzbischöfe stand.

Zu Beginn des 13.Jhs. geriet der Orden allgemein in eine Krise, die sich auch auf die Niederlassung in Arnstein auswirkte. Als Zeichen einer krisenhaften Entwicklung deutet Krings die Absetzung des Abtes im Jahr 1211. Seinem Nachfolger gelang dann ein Wiederaufschwung und Blütezeit Arnsteins.

Bis 1224 stand Arnstein in einer gewissen Abhängigkeit von Gottesgnaden stand. Der Papst hatte Gottesgnaden das recht der Visitation und er Aufsicht über die Abtswahl in Arnstein zugeschrieben; ebenso bedurften umfangreiche Veräußerungen die Zustimmung aus Gottesgnaden. Die Gründung durch ein sächsisches Kloster hatte auch dazu geführt, dass in Arnstein die Magdeburger Liturgie befolgt wurde; ebenso hob sich die Kleidung der Arnsteiner Prämontratenser von der in den anderen Niederlassungen: die Arnsteiner Prämonstarenser trugen eine weiße Tunika und einen blauen Mantel (Abbildung der Kleidung: Fenster im Westchor)

Zwar hatte man schon früh Anschluss an Prémontré gesucht, doch blieb die Niederlassung noch getrennt. Spätestens zu Beginn des 13.Jhs. gab man in Arnstein die Magdeburger Statuten auf und unterstellte sich 1224 Prémontré.

Die Krise, die sich ab der Mitte des 13.Jhs, abzeichnete und bis 1323 anhielt, war eine wirtschaftliche Krise, durch welch die innere Disziplin der Gemeinschaft nicht berührt wurde. Durch Urkunde vom 16.2.1358 wurde das Infirmarium wieder eingerichtet und ein eigener Siechenmeister bestellt.

Wirtschaftlicher Niedergang und eine geistige Verarmung, einhergehend mit dem Verlust früherer Ideale, führten zu einer auch inneren Krise des Stiftes.

1445 ordnete der Erzbischof von Trier eine Visitation von Arnstein und Rommersheim an.

Eine Reform des Prämonstratenserstiftes vollzog sich ab 1480 initiiert durch einen Grafen von Nassau (Vgl. Krings, S.174). Um die Jahreswende 1479/80 hatte dieser dem Abt von Prémontré die Lage geschildert: der Abt von Arnstein war aus Krankheitsgründen nicht in der Lage, das Stift zu leiten; Nachlässigkeit im Gottesdienst herrsche ebenso wie Misswirtschaft. Zu Jahresbeginn 1480 war ein Abtswechsel erfolgt. Zunächst stand man in Arnstein den Reformbestrebungen ablehnend gegenüber. Nach erneuter Kontaktaufnahme mit dem Abt von Prémontré wurde am 23.2.1480 der Abt von Steinfeld (nicht in Rheinland-Pfalz, Steinfeld hat aber gute homepage, evtl. verlinken) mit der Durchführung der Reform beauftragt. Die innere Festigung der Reformsansätze erfolgte unter dem ersten bürgerlichen Abt, Adam Armbruster (1489/1527).

Nachdem Nassau-Dillenburg (1526) und Nassau-Weilburg (1530) sich der Reformation angeschlossen hatten, wuchs der Einfluss des Trierer Erzbischofs, unter dessen Schutz sich Arnstein während der Amtszeit von Abt Petrus Marmagen nun intensiver begab.

Eine schwere  Zeit erlebte das Stift während des 30-jährigen Krieges. Mehrfache Plünderungen durch kaiserliche Truppen erlitt es im Sommer 1635. Im Herbst des gleichen Jahres war lagen französische Soldaten der Besetzung von Ehrenbreitstein in Arnstein; wieder kam es zu Plünderungen und Zerstörungen.

Im 17.Jh. stand Arnstein ebenso wie die Prämonstratenserabteien Wadgassen, Rommersdorf und Sayn „deutlich unter der Führung von Steinfeld“ (Seibrich, S.249).

Im 18.Jh. zeichnete sich eine Schwächephase ab. Zum einen war die Niederlassung in mehrere Prozesse verwickelt, zum anderen bestand innerhalb der Gemeinschaft Uneinigkeit. Es wurden 1774 Überlegungen angestellt, die Umwandlungen zu einem Kollegiatstift zu beantragen. Sie wurden allerdings nicht realisiert. Als 1787 nach internen Querelen der damalige Abt sein Amt niederlegte, verzichtete der Konvent auf die Wahl und es wurde an den Erzbischof von Trier der Antrag auf Umwandlung in ein Kollegiatstift gestellt. Eine Entscheidung fiel nicht.

Starke Auswirkungen zeigten wenig später die Koaltionskriege. 1795 verlangten französische Truppen die hohe Brandschatzungssumme von 2000 fl. Der Konvent floh in die Grafschaft Katzenelnbogen. Österreichische Truppen nutzten die Gebäude als Lazarett. Über 200 Kranke und Verwundete, die während der kriegerischen Auseinandersetzungen in Arnstein starben, wurden auf einem rasch eingerichteten Friedhof im Dörsbachtal bestattet.

Erst 1801 konnten die Stiftsinsassen wieder zurückkehren. Durch Soldaten und Bauern aus der Umgebung war es inzwischen zu Plünderungen und Diebstahl gekommen. Fast das gesamte Mobiliar war entwendet; das Stiftsarchiv hatte große Verluste erlitten.

Am 9.9.1802 wurde der Konvent von der bevorstehenden Säkularisierung in Kenntnis gesetzt und am 23.10.1802 erfolgte die Besitzergreifung durch Nassau.

0.2.Nachnutzung/späteres Schicksal

Nach der Säkularisierung fiel die Abtei zunächst an das Fürstentum Nassau-Weilburg, ab 1816 an das Herzogtum Nassau.

Die Klostergebäude wurden 1817 auf Abbruch veräußert und bis auf wenige Reste abgerissen. Erhalten blieb die ehemalige Kellerei und der Konventsbau des Klosters, die als Pfarrhaus bzw. Gästehaus dienten. Die Kirche wurde auf Staatskosten weiter unterhalten.

1869 entstand eine Priorat der Beuroner Benediktiner unter der Leitung von P.Placidus Wolter, OSB, jedoch wurde die Niederlassung schon 1871 wieder aufgegeben.

Erst die durch die Weimarer Reichsverfassung herbeigeführten kirchenpolitischen Änderungen ermöglichten wieder die Niederlassung eines Ordens. 1919 ließ sich die bis heute in Arnstein wirkenden Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes (SSCC) („Picpus-Patres, benannt nach der Straße, in der in Paris das ehemalige Mutterhaus gelegen hatte) nieder, die das Haus zunächst als Ausbildungshaus für die philosophischen Studien des Ordensnachwuchses nutzte.

Empfohlene Zitierweise

Rommel, Dr. Dr. Martina: Obernhof - Prämonstratenserabtei Arnstein. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/obernhof-praemonstratenserabtei-arnstein/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 14.12.18)