Bau- und Kunstgeschichte Kloster St. Michael (Mainz)

0.1.Kirche

Kartäuserkloster - Grundriss von 1669

Am 30. März 1350 wurde die Klosterkirche durch den Mainzer Generalvikar, Titularbischof Albertus de Bichilingen geweiht. Nur vereinzelte Nachrichten zum weiteren Ausbau der Kartause haben sich erhalten. So 1385 die Stiftung für eine Kapelle, die dann aber als Kapitelsaal genutzt wurde, 1410 für eine Renovierung baufälliger Zellen, für den Kreuzgang und das Graben eines Brunnens darin, sowie 1463 zur Vollendung von Zellen.
Im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufschwung gegen Ende des 17. und im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde 1692 mit großen Umbaumaßnahmen begonnen. Die Kirche, bei der offensichtlich nur der Innenraum barockisiert wurde, während der gotische Bau als solcher erhalten blieb, war bereits 1702 vollendet. Beiderseits an die Klosterkirche schloss sich eine Reihe von Seitenkapellen an. Nach Abschluss der Bauarbeiten lagen am Großen Kreuzgang (Galilaea maior) 22 Zellen, die sehr geräumig waren. Sie bestanden jeweils aus Entree, einem geräumigem Wohnzimmer, Kammer, Küche, Speicher, Keller und Arbeitsraum. Den Gebräuchen der Kartäuser entsprechend gehörte zu jeder Zelle auch ein Garten.
Nach der Säkularisation ließ der Kurfürst schon 1791/92 Kirche und Kreuzgang niederreißen. Die übrigen Gebäude sollten nach Plänen, die seit längerem existierten, in das benachbarte Lustschloss Favorite einbezogen werden. Dazu kam es aber nicht mehr, da am 21. Oktober 1792 die Franzosen in Mainz einmarschierten. Die noch stehenden Gebäude des Klosters wurden in der Folgezeit restlos abgetragen, so dass heute dort nichts mehr an die Kartause erinnert, die mehr als 450 Jahre sich gegenüber der Mainmündung erhoben hatte.
Die Einrichtung war noch unter Kurfürst Erthal verkauft worden. Das Chorgestühl gelangte zum größten Teil nach Trier in den Dom. Hoch- und Nebenaltäre kamen nach Seligenstadt und in andere Kirchen.

0.2.Klausur- und Konventsgebäude

St. Michaelsberg 1708

Der Kreuzgang wurde bei den Kartäusern als „Galilaea“ bezeichnet. Da, wie auch im Fall der Mainzer Kartause, meistens zwei Kreuzgänge errichtet wurden, hat man diese als „Galilaea maior“ und „Galilaea minor“ unterschieden. An den großen Kreuzgang waren die Wohnhäuser der Mönche angebaut, weshalb er im Vergleich zu anderen Klöstern wirklich sehr groß war. In Mainz lag er auf der Nordseite der Kirche oberhalb des Rheinufers. Er war überreich mit Gemälden und Bildwerken ausgestattet. Der kleine Kreuzgang lag auf der Südseite der Kirche und war durch einen Flur mit dem großen Kreuzgang verbunden, der am Chorabschluß der Kirche vorbeiführte.
Die Zellen
Bei den Kartäusern sind die Zellen eigenständige kleine Häuser mit eigenem Garten. Jede Zelle ist mit ihrem Garten gegen den Nachbarn durch eine Mauer abgetrennt, so dass hier keine Verbindung bestand. Für die Mainzer Kartause finden sich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts keine Nachrichten zur Zahl der Klosterzellen, so dass auch keine Rückschlüsse auf die Anzahl der Konventualen möglich sind.
1410 vermachte der Ritter Eberhard Strumpel von Schwabenheim bei seinem Eintritt in die Kartause dem Kloster verschiedene Güter und Renten, deren Einkünfte er für baufällig gewordene Wohnungen der Mönche, für den „Galilea“ genannten Kreuzgang, zu einer steinernen Zelle und schließlich auch noch zur Grabung eines Brunnens am unteren Teil des Kreuzganges bestimmte.
Der Frankfurter Priester und spätere Prior der Mainzer Kartause, Ortwin Hoppener, stiftete 1411 unter anderem eine Kornrente zur Errichtung zweier Klosterzellen in nova Galilea, auf deren Türen die Buchstaben G und H in ordine angebracht werden sollten. Eine weitere Spende war zunächst zur Versorgung der Armen zu verwenden, später aber bis zur Summe von 200 fl. anzusparen, Davon sollten dann wiederum zwei Zellen erbaut und zwei Mönche unterhalten werden. Nur in Notzeiten der Kartause durfte die Stiftung ganz zum Unterhalt der Konventualen verwandt werden.
Eine weitere Zellenstiftung ist schließlich noch aus dem Jahre 1463 bekannt. Meister Peter Paternoster spendete, auch im Namen des verstorbenen Caspar Vorschenk, ehemals Stiftsherr zu St. Bartholomäus in Frankfurt, eine Geldsumme, damit, sobald im Mainzer Stift wieder Friede herrscht, die im Garten nach dem Rhein gelegene, angefangene Zelle vollendet und mit einem Mönch besetzt werden kann.

0.3.Kapellen innerhalb und außerhalb der Anlage

Erwähnt werden eine Sakristeikapelle mit einem Altar zu Ehren der Heiligen Martin, Hugo, Nikolaus und aller hl. Bekenner, sowie eine Kapelle mit Altar im Kapitel des Klosters zu Ehren der Heiligen Johannes (Ev.), Andreas und aller Heiligen. 1373 stiftete der Ritter Johann Kämmerer von Worms, gen. von Dalberg, als Grabstätte eine Kapelle zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers. 1385 schließlich stiftete der Präbendar der Mainzer Kartause, Emicho von Landeck (†1388), eine Kapelle zu Ehren der hl. Maria Magdalena, in der fortan das Kapitel abgehalten wurde.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Michael - Michaelsberg. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-michael-michaelsberg/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 21.07.19)