Besitz- und Wirtschaftsgeschichte Kloster St. Michael (Mainz)

Besitzgeschichte

Die Gründungsausstattung im Rheingau bestand aus dem Grundstück selbst, welches aus dem Besitz des Erzstiftes stammte, sowie weiteren Grundstücken und Einkünften aus dem Privatvermögen des Stifters Peter von Aspelt. Weitere Schenkungen, namentlich durch Mainzer Bürger, ermöglichten dann den Umzug und die Anfänge in Mainz.
Wie bei den meisten anderen Klöstern dieser Zeit bestanden auch die Erwerbungen der Kartause zumeist aus Natural- und Geldzinsen aus verpachtetem Grundbesitz sowie aus Einkünften von Zehnt- und Gerichtsanteilen. Durch Schenkungen, Kauf und Tausch, teilweise auch durch gerichtliche Aufholung von Unterpfändern, wurden Grundbesitz, Immobilien, Zehntanteile, Renten u.ä. erworben. Der Besitz wurde hauptsächlich während des 14. und 15. Jahrhunderts erworben, spätestens um 1600 war der Besitzstand weitestgehend abgeschlossen, von vereinzelten Erwerbungen in späterer Zeit abgesehen.
Bis ungefähr zur Mitte des 15. Jahrhunderts überwogen die Schenkungen die Ankäufe, allerdings waren sie zumeist recht bescheiden und auch mit gewissen Auflagen verbunden.
Zumeist handelte es sich um Seelgerät- und Jahrtagsstiftungen, die der Sicherung des Seelenheils des oder der Schenker dienen sollten. Daneben gab es auch Stiftungen, die neben dem Jahrgedächtnis auch das Begräbnis in der Kartause als Bedingung einschlossen.

Lage der Besitzungen

Von einigen abgelegeneren Besitzungen abgesehen, namentlich im Bereich der Pfalz und in Hessen, zeigt sich ein relativ abgerundetes Besitzgebiet im näheren Umkreis des Klosters, nämlich im nördlichen Rheinhessen (südlichster Punkt etwa Guntersblum), weiter am Rhein entlang bis St. Goar und Boppard, im Rheingau und im Main-Taunus-Gebiet (östlichster Punkt Frankfurt). Die Kartause war an etwa 90 Ortschaften begütert und hatte rund 15 Höfe in Pacht ausgegeben. Durch Gütertausch und durch Verkauf der abgelegenen Besitzungen wurde der Besitz immer mehr verdichtet, wodurch die Bewirtschaftung erleichtert, die Betriebskosten vermindert und die Verwaltung vereinfacht wurde.

Stadthöfe

Der wichtigste Klosterhof der Kartause war der Mainzer Stadthof „Zur Eiche“. Seit 1642 bauten ihn die Kartäuser zu einem Häuserkomplex aus und ersetzten die Anlage 1684 durch einen Neubau. Mehrfach war dieser Hof für den Konvent eine wichtige Zuflucht in Kriegszeiten.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Mainz - St. Michael - Michaelsberg. Besitz- und Wirtschaftsgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-st-michael-michaelsberg/besitz-und-wirtschaftsgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 16.07.19)