Klöster in Rheinhessen

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Die geistliche Betreuung der Schwestern lag nach M.Müller bis 1773 bei den Jesuiten[Anm. 1].
H.Schrohe berichtet, dass der Mainzer Niederlassung im Jahr 1698 vom Mutterkloster ein Buch über die Verehrung des Herzens Jesu zugekommen sei, das die Initiative zur Pflege dieser Frömmigkeitsform gewesen sei und Anlass gegeben habe, einen der Altäre der Kirche dem Herzen Jesu zu weihen.
Aus dem Jahr 1703 datiert der Bericht einer wunderbaren Heilung einer Schwester nach 13-jähriger Krankheit am Herz-Jesu-Fest, was zu einer Vertiefung der Herz-Jesu-Verehrung führte.
Es wurde die Herz-Jesu-Bruderschaft errichtet, die am 17.11.1723 durch Papst Innozenz XIII. (1721/1724) bestätigt wurde; sie erfuhr später auch die Genehmigung und Approbation durch den Erzbischof; am 21.12.1725 erfolgte die feierliche Übergabe der entsprechenden Bulle.
Unterstützung erfuhr die Bruderschaft namentlich durch die Witwe Maria Theresia v.Dalberg geb. v.Dalberg, durch A.Aloysia v. Dalberg, die Witwe Sophie Regina Theresia von Frankenstein geb. Wambolt zu Umstadt; Charlotte Wambolt zu Umstadt geb. Gräfin v. Kesselstadt sowie Helene Charlotte v. Rollingen, geb. v.Thüringen.
Die Bruderschaft stieß auch in der Bevölkerung rasch auf große Resonanz, war doch gerade im 18.Jh. die Herz-Jesu-Frömmigkeit beliebt. Am 27.12.1725 fand die erste feierliche Aufnahme von Mitgliedern statt. Aufgenommen wurden zuerst die 35 Chorschwestern und die elf Laienschwestern. F.Falk berichtet, dass 74 Pensionärinnen am 1.6.1726  in die Bruderschaft aufgenommen worden seien; für die Zeit zwischen 1727 und 1794 beziffert er ihre Zahl mit 875 (S. 249). Insgesamt wurden zwischen 1725 und 1804 in die Bruderschaft 5.566 Mitglieder aufgenommen[Anm. 2]. Das Welschnonnenkloster wurde so zum „Zentrum der Herz-Jesu-Verehrung“ (Seibrich, S. 562).
H.Schrohe wertet die Aufnahmelisten aus und machte darauf aufmerksam, dass das Gros der Mitglieder aus dem bürgerlichen Umfeld, oft aus kurfürstlichen Beamtenfamilien, stammte, dass aber auch „zahlreiche hochadelige Frauen“ der Bruderschaft beigetreten seien. Hochadelige Männer als Mitglieder der Bruderschaft waren die Ausnahme; H.Schrohe weiß nur Franz Philipp Frh. Wambolt v. Umstadt zu nennen, den er den Gründungsmitgliedern zurechnet.
Aufnahme fanden sodann Weltgeistliche, die der Ordensgemeinschaft verbunden waren, vor allem aus den Kollegiatstiften. Bei E.Darapsky genannt werden der Superior des Klosters, Weihbischof Edmund Gedult von Jungenfeld (Weihbischof seit 1703, zuvor Stiftsherr, u.a. seit 1693 Dekan an Mariengreden und Kapitular an St.Peter), der Propst des Hl-Kreuz-Stiftes, Johann Adam Gedult (1692/1727, 1727-1733 Dekan, + 17.8.1733) der Scholaster des Liebfrauenstiftes Johann Baptist Spahler (auch Spaler, + 11.11.1728), Johann Peter Josef Gemming, Kanoniker am Liebfrauenstift und Bruder eines Mitglieds des Schwesternkonventes (+ 22.5.1759; ebenfalls in die Bruderschaft aufgenommen war sein Vater). H.Schrohe verweist darauf, dass der Primarklerus (Domstift, Ritterstift St.Alban) wenig in der Bruderschaft vertreten war. ; im Jahr 1761 aufgenommen wurde allerdings Dompropst Hugo Franz Karl Graf von Eltz-Kempenich. Der Bruderschaft beigetreten sind schließlich auch Ordensgeistliche von außerhalb der Stadt Mainz. Nach H.Schrohe bestanden Gebetsgemeinschaft mit folgenden Frauenklöstern in Mainz: Armklara, St.Agnes, Reichklara, Zisterzienserinnen der Klöster Altmünster und Maria Dalheim, sowie Weißfrauen. Außerhalb von Mainz waren es nach H.Schrohe die folgenden Gemeinschaften: Welschnonnen in Trier, Benediktinerinnen in Eibingen und Schmerlenbach, Unbeschuhte Karmelitinnen in Köln; Prämonstatenserinnen in Ilbenstadt; Ursulininnen in Fritzlar und Würzburg, Weißfrauen in Tiefenthal.


Anmerkungen:

  1. Vgl. S. 674 Zurück
  2. Egler, S. 840 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Welschnonnen. Spirituelles. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-welschnonnen/spirituelles.html> (Letzter Aufruf: 20.07.19)