Bau- und Kunstgeschichte

0.1.Aufbau der Klosteranlage

Im Gegensatz zu den rheinischen Zisterzienser-abteien besaß Himmerod bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ihre ursprünglich romanische Klosteranlage.
Erstes Licht ins Dunkel über die mittelalterliche Anlage brachte der Fund einer Flurkartei aus dem Ende des 17. Jahrhunderts. Die im Landeshaupt-archiv in Koblenz gefundene Karte zeigt auf ihrem unteren Rand die spätmittelalterliche Klosteranlage.

0.2.Kirche

Klosterkirche Himmerod - Grundriss

Die erste romanische Kirche wurde nach dem Berhardinischen Plan erbaut als eine dreischiffige Basilika von ca. 65m Länge mit einem Querhaus, einem rechteckigen Chorhaupt und mit je drei rechteckigen Kapellen an den Querhausarmen. Der Typus des „geraden“ Ostabschlusses war bei Ausgrabungen 1951/52 vor dem Wiederaufbau der Kirchenruine entdeckt worden. Der Grabungsleiter K. H. Esser legte damals Fundamente des Achardbaues frei und konnte so dessen Chorgrundriss erschließen. Das romanische Gotteshaus blieb bis zum Beginn eines barocken Neubaus 1735 bestehen.

Unter Abt Leopold Kamp wurde 1735 die alte Klosterkirche abgerissen und 1739 der Grundstein für einen großzügigen Neubau, wenn auch in den Abmessungen der Vorgängerkirche, gelegt. In den Jahren bis 1751 entstand dann nach Plänen Christian Kretschmars (geboren in Sachsen, gestorben 1768) die bedeutendste Barockkirche der Rheinlande (Benediktinerabtei Mettlach, der Stiftskirche St. Paulin und der Abtei St. Marien zu den Märtyrern in Trier).
Aus der romanischen Kirche übernahm das barocke Gotteshaus einige Altarpatrozinien, z. B des Hochaltars zu Ehren der allerheiligen Dreifaltigkeit und der Gottesmutter, der hl. Apostel, St. Bernhard (nördliches Querhaus), St. Laurentius und Allerheiligen (südliches Querhaus). Bei den Ausgrabungen 1951/52 wurde an der Ostwand des nördlichen Querhauses ein barockes Altarfundament über einer Grabkammer gefunden, wahrscheinlich die Grabstätte der Grafen von Sponheim.
Bei der Konsekration der Barockkirche am 10. Oktober 1751 weihte der Trierer Weihbischof Nikolaus von Hontheim den Hochalter zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit ein, sechs Seitenaltäre (St. Michael und Schutzengel, hl. Apostel, Muttergottes, St. Bernhard, St. Anna und Katharina, St. Laurentius und Allerheiligen), sowie den Altar zu Ehren der Heiligen des Zisterzienserordens. In der heutigen Gnadenkapelle fand er wieder ein Platz. Zwei reichprofilierte Portale verbinden die Kapelle als südlichen Anbau mit der Kirche.

Kloster Himmerod - Westfassade Klosterkirche[Bild: Wolfgang Rein]

Ein eigenwilliges Meisterwerk schuf Kretschmar mit der monumentalen Kirchenfassade (38 m Höhe). Entsprechend der zisterziensischen Ordensregel „Turres non habemus“ – „Türme haben wir nicht“ – übertrug er der Westfassade gewissermaßen die Rolle eines Turmes. Einem Schiffsbug gleich stemmt sich die Schaufront der Kirche den Besuchern entgegen: Das Zentrum ist in der Breite des Kirchenschiffes nach vorne gewölbt und mit den zurückliegenden Teilen der Fassade  durch geknickte Pilaster verbunden.

0.3.Grablegen

Abt Rober Bootz, wohl der bedeutendste Obere der Gemeinschaft, wurde im Kapitelsaal begraben. Der Grabstein mit seinem Porträt befindet sich seit Anfang der 60iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Klosterkirche.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

0.1.Altäre

Bei der Aufhebung soll die Abteikirche wohl 10 Altäre verfügt haben. Mit Krankenhaus- und Pforten-kapelle sind es dann 12 Altäre, über deren Verbleib seither Unklarheit herrscht.

0.2.Grabstätten und Grabmäler

Kloster Himmerod - Innenraum[Bild: Daniel Leclercq]

Grabdenkmäler und Grablegen von drei Trierer Erzbischöfen und zahlreichen Adeligen aus dem Eifel- und Moselraum fanden sich in der romanischen Kirche – vor den Stufen des Hochalters. Im nördlichen Teil des Presbyteriums war das marmorne Epitaph des Klosterstifters, der Trierer Erzbischofs Albero von Montreuil ( -1152) eingelassen; zunächst im Kapitelsaal, später im Presbyterium der Kirche befand sich das Grab des Trierer Erzbischofs Johannes I. (1190-1212). Im südlichen Teil des Presbyteriums fand Erzbischof Boemond I. von Warnesberg (1286-1299) seine letzte Ruhestätte.

0.3.Kirchenfenster

Von den originären Glasfenstern der romanischen Himmeroder Kirche hat sich nichts erhalten. Allerdings ist darauf zu verwiesen, dass im Zisterzienserinnenkloster in Andernach, OT Namedy, noch aus spätromanischer Zeit Kirchenfenster zu sehen sind, die den damaligen, wenn auch „konservativen Geist Himmerods“ atmeten. (Schneider, 1974)

0.4.Wandmalereien

Ähnlich wie bei ihren mittelalterlichen Kirchen konzentriert sich die künstlerische Kraft in der neu erbauten Himmeroder Kirche in eine Strenge der Architektur, die allein Glieder, Profile, Vorlagen und so gut wie keinen ornamentalen Schmuck kennt.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Großlittgen - Kloster Himmerod. Bau- und Kunstgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/grosslittgen-kloster-himmerod/bau-und-kunstgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 20.02.19)