Besitz- und Wirtschaftsgeschichte

0.1.Besitzgeschichte

Als Reformorden nahmen die Zisterzienser die Regeln der Benediktiner beim Wort und legten das Prinzip "ora et labora" forcierter als sie in ihrem Handeln aus. Sie ernährten sich von ihrer Arbeit, vor allem von Ackerbau, Viehzucht und wo möglich vom Weinbau. Weltflucht und Eigenarbeit wurden die Grundlagen dafür, dass sich deren Klöster  verstärkt mit Fragen der Wirtschaftlichkeit ihres Tuns beschäftigten. Sie waren im Mittelalter nicht nur religiöse Zentren, sondern wurden bald auch Konzentrationspunkte wirtschaftlichen Handelns.

Die ersten hundert Jahre der Salmtalgründung standen ganz im Zeichen wirtschaftlicher Prosperität. Doch schon 1208 zeigten sich erste Auflösungserscheinungen des bislang zäh verteidigten eigenwirtschaftlichen Prinzips. Es wurde die Verpachtung „weniger nutzbringender Liegenschaften“ erlaubt.
Seit dem 13. Jahrhundert löste die um sich greifende Geldwirtschaft die Naturalwirtschaft ab. Die Städte blühten auf und mit ihnen die Bettelorden. Die Folge war für viele Klöster eine Auflösung des geschlossenen Wirtschaftsorganismus. Geldwirtschaft und Städtewesen beeinträchtigten für Schneider den früher unangefochtenen Absatz klösterlicher Erzeugnisse. Die breite Akzeptanz der Bettelmönche sorgte auch bei den Konversen für einen drastischen Rückgang. Die Bettelorden schienen für sie sehr attraktiv, da eine strikte Trennung zwischen Mönchen und Laienbrüdern nicht vorgenommen wurde. Angesichts der schwindenden Zahl der Mönche sahen sich Klöster zur verstärkten Einstellung von Lohnarbeitern gezwungen.

0.2.Erzbischof vertrieb den Konvent

Verstärkt machte das Eifelkloster von der Erlaubnis Gebrauch, weiter entlegenen Streubesitz abzustoßen, um mit dem Erlös den übrigen Grundbesitz straffer zu organisieren.
Den Ausbau seiner territorialen Macht finanzierte der Trierer Erzbischof Heinrich von Vinstingen (1291-1310) durch den gewaltsamen Eingriff in das Vermögen der Klöster. Himmerod widersetzte sich. Von Vinstingen vertrieb den Konvent und verwüstete die Besitzungen des Klosters. Allein durch die Aufnahme bedeutender finanzieller Anleihen und durch umfangreiche Verpachtungen ließ sich der Betrieb Himmerods aufrecht erhalten. Nichtsdestoweniger musste der Konvent auf fünf Jahre auf andere Ordensniederlassungen verteilt werden. Verzweifelt bemühte sich die Abtei, die wirtschaftlichen Rahmenbe-dingungen zu konsolidieren. Doch auch im 3. Jahrhundert ihres Bestehens zeichneten sich keine Lösungen für die ökonomischen Probleme Himmerods ab. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts kollabierte die Klosterwirtschaft des Eifelklosters.

0.3.Landwirtschaft

Nur die wichtigsten Grangien wurden noch im 14. Jahrhundert als Eigenbetrieb aufrechterhalten, allerdings in modifizierte Form. Erträgnisse aus der Landwirtschaft leisteten den größten Beitrag zum Unterhalt des Klosters. Die Eigenwirtschaft blieb beibehalten auf den Grangien Altenhof, Gelsdorf, Mulbach bis 1420, in Failz und Rohr bis 1500, in Briedel, Pommern, Siebenborn, Ürzig und Andernach bis zur Aufhebung 1802. Die Mitglieder des Klosters residierten als Hofherren, unterstützt von Lohnarbeitern und den Frondienst leistenden, abhängigen Pächtern.

0.4.Weinbau

Stiftungen legten bereits im 12. Jahrhundert eine gute Grundlage für den Weinanbau Himmerods, der in den kommenden Jahrhunderten wohl als eine Erfolgsgeschichte angesehen werden kann. Rodungen, Neuanlagen und Schenkungen sorgten im 13. Jahrhundert für weiteren Ausbau in diesem Bereich.
Dank dieser breiten Grundlage konnte das Kloster einen schwunghaften Handel aufbauen. Neben Holz und Getreide zählte der Wein in diesem Jahrhundert zum Hauptausfuhrartikel des Klosters. Zahlreiche Zollprivilegien flankierten das Geschäft positiv. Um einen häufigen Wechsel der Betreiber zu verhindern, präferierte Himmerod die Vergabe in Erbpacht und zwar durch die Einführung des Teilbaus: der Pächter musste als Erbzins jährlich Erträge bis zur Hälfte der Trauben an die vorgeschriebene Klosterkelter abliefern. Damit wollte sich Himmerod einen größeren Einfluss auf die Pflege der Weinberge, die Auswahl der Reben und ihre Behandlung, auf die Kelter- und Kellereiwirtschaft sichern. Die Pachturkunden trugen dem Rechnung durch die Anwendung eingehender Anbauvorschriften, planmäßige und gründliche „Mistung“ in vorgeschriebenen, jahresübergreifenden Abständen sowie eine ständige Verjüngung der Reben. Die Arbeit im Weinberg wurde ein ständiges Jahresgeschäft der Weinbaukultur. Blieben trotz des peniblen und einfallsreichen Anforderungsprofils an die Pächter entsprechende Erträge mehrmals aus, machte das Kloster den Anbau von Nuss- oder Obstbaum zur Pflicht. Angesichts dieser Forderungen nach Förderung des Weinanbaus ist es nicht verwunderlich, dass Himmerods Anteil an den berühmtesten Weinlagen der Mittelmosel überproportional wuchs.
Mit rund 666 000 Stöcken war das Kloster noch kurz vor seiner Aufhebung nach dem Kurfürsten zum zweit größten Weinbergsbesitzer im Erzstift Trier geworden.

0.5.Grangien und Wirtschaftshöfe

Bis auf wenige Ausnahmen wurde auf den Grangien hauptsächlich Getreideanbau mit Roggen, Hafer, Spelz und Weizen sowie Viehzucht betrieben. Insbesondere umfangreiche, aber wenig kostenintensive Schweinemast mit daraus resultierenden Fleischangeboten ist für viele Grangien, aber auch für Höfe in den ausgedehnten Waldgebieten und Ödlandflächen der Eifel belegt. Auch die Haltung von Schafsherden wurde betrieben, da dadurch neben Fleisch auch Milch, Wolle, Häute und Pergament, evtl. in den Klosterwerkstätten aufgearbeitet, in Konsumentengemeinschaften angeboten werden konnten.
Eher exogene und weniger Himmerod spezifische Faktoren führten dazu, dass sich die Klosterökonomie auf Dauer von einer vorwiegenden Eigenbauwirtschaft verabschiedete. Sie diversifizierte sich über ein „gemischtes Wirtschaftssystem“ hin zu einer klösterlichen Rentengrundherrschaft „benediktinischen Typs“ mit nur noch bescheidenem Eigenbetrieb.

0.6.Stadthöfe

Die Stadthöfe der Zisterzienser stellten eine Ergänzung zu den Grangien dar. Sie waren deren vertikale organisatorische Verlängerung. Einerseits verschafften sie durch den Verkauf deren Ernten en detail und en gros Geld für den Ankauf fehlender Produkte. Damit wurde zugleich die Grundlage geschaffen für den Erwerb weiterer landwirtschaftlicher Flächen. Andererseits wurde sichergestellt, dass die aufstrebenden Städte auf Grund des sicheren und effizienten Vertriebs verlässlich mit Lebensmittel zu versorgen waren. Die Stadthöfe der Himmeroder Abtei unterstanden zunächst ausschließlich den Konversen. Als sich deren Zahl gegen Ende des 13. Jahrhunderts verringerte, wurden auch Mönche mit der Leitung diese Einrichtungen betraut. Im 14. Jahrhundert führte das Kloster nachweisbar in Trier sechs Stadthöfe.Von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren gleichfalls die Kölner Stadthöfe. Sie dienten auch als Sprungbrett für den Handel weiter  bis zum Kanal.

0.7.Zollprivilegien

Im Gegensatz zu weltlichen Kaufleuten erwarben sich die Himmeroder Zisterzienser entscheidende wirtschaftliche Vorteile dadurch, dass sie sich von Zöllen und Abgaben befreien lassen konnten. Die Bulle „Habitantes in domo“, 1132 von Papst Innozenz II. erlassen, priviligierte die Abtei und entpflichtete den Orden von Zehntzahlungen. Im 13. und 14. Jahrhundert verfügte Himmerod über zahlreiche Zollprivilegien.

Empfohlene Zitierweise

Brauksiepe, Bernd: Großlittgen - Kloster Himmerod. Besitz- und Wirtschaftsgeschichte. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/grosslittgen-kloster-himmerod/besitz-und-wirtschaftsgeschichte.html> (Letzter Aufruf: 19.11.19)