Geschichtlicher Abriss

0.1.Klostergeschichte

Kloster Himmerod - Zeichnung 1799

Unter der Führung des Abtes Randulf (1134-1168) reisten im Frühjahr/Sommer 1134 Prior Elias und die Mönche Pontius, Johannes, Oliverus, Walter, Durstinus, Salomon und David sowie einige Konversen zunächst nach Pfalzel. Aufgrund seiner Auseinandersetzung mit dem Trierer Burggrafen Ludwig de Ponte diente der Ort, eine ehemalige römische Sommervilla, Erzbischof Albero als Nebenresidenz.
Albero wies dem Gründungskonvent das Gut Winterbach unterhalb des erzstiftischen  Hofes Kordel zu. Die Örtlichkeit lag an der Einmündung des Winterbachs in die Kyll und war von Albero für die Gründung einer zisterziensischen Niederlassung gekauft worden. Wegen ihrer flächenmäßigen Begrenztheit, aufgrund des Mangels an zusätzlich bebaubarem Boden und auch wegen der Nähe zur erzbischöflichen Nebenresidenz kam es nicht zur Ansiedlung des Konvents.
Daraufhin nutzte 1135 Bernhard eine Reise zum Reichstag in Bamberg, um selbst in der Region zusammen mit Albero die Entscheidung für einen endgültigen Standort des neuen Klosters zu treffen. Als beide im Frühsommer 1135 schließlich am Rande des Kyllwaldes das nahe Salmtal besichtigten, war der Vaterabt aus Clairvaux vom Areal auf der linken Salm so angetan, dass er es als endgültigen Klosterstandort bestimmte. Himmerod wurde damit das 14. und zugleich das erste deutsche Zisterzienserkloster, das Bernhard von Clairvaux gründete. Albero überließ zunächst  den Gründern  sein Gut "Haimerode", eine Rodung des Gefolgsmannes Haimo in der Nähe des heutigen Altenhofes zur Nutznießung. Von dort erfolgten 1138/39 die Rodungs- und Bauarbeiten beim tiefer gelegenen Salmbach.

0.2.Weihe der ersten Klosterkirche

Wegen seiner Teilnahme am 2. Italienzug Kaiser Lothars III. (1136/37) nahm Erzbischof Albero erst im Frühjahr 1138 die Weihe einer ersten, dem hl. Michael geweihte Kapelle vor. Sie entstand vor dem Baubeginn der Klosterkirche. Albero stellte aus diesem Anlass die Stiftungsurkunde für das geplante Kloster aus, die nicht nur Anordnungen für die Zukunft enthielt, sondern auch Ereignisse aus der Vergangenheit schilderte.
Der Trierer Erzbischof gab der Gründung auch einen Namen. Es sollte in alter Verbundenheit zu Abt Bernhard „claustrum“ heißen, der 1135 den Gründungsort so benannt hatte. Diese Bezeichnung kam in zahlreichen Urkunden vor. Der Name setzte sich dennoch nicht durch. Etwa seit dem Ende des 12. Jahrhunderts kam - in Anlehnung an den auch in der Stiftungsurkunde genannten Hof Haimerode - der heutige Klostername Himmerod in Gebrauch.
In der Gründungsrolle bestätigte Erzbischolf Albero von Montreuil die zugewiesenen Besitzungen Neben dem Besitz in Winterbach zählten dazu Weinberge in Failz/Wittlich, Kaimt, Kobern, Leutesdorf/Rhein und Orenhofen/Trier. In den folgenden Jahrzehnten erhielten die Mönche wiederholt weitere Liegenschaften wie Acker, Wälder, Wiesen, Weiden, weitere Weinberge und später auch stehende und fließende Gewässer.
Die Behelfsbauten der ersten hölzernen Anlage wurden nach 1138 unter Abt Bernhards Baumeister Archard ersetzt. Er entwarf ein steinernes Gotteshaus, als dessen Vorbild sicherlich die von Archard entworfene Mutterkirche in Clairvaux (kreuzförmige Anlage mit viereckigem Chorabschluss) diente. Die neue romanische Klosterkirche weihte Erzbischof Arnold von Trier am 1. Juni 1178 ein.

Reformorden wie die Zisterzienser erlebten im 12. Jahrhundert einen ungeheuren Zulauf. Von dieser breiten Akzeptanz partizipierte auch Himmerod.  Männer aus allen Schichten der Bevölkerung, darunter Angehörige des Klerus und des Adels, traten in die Gemeinschaft ein. Bis um 1200 beteten und arbeiteten  rund 60 Priestermönche und an die 200 Konversen in Himmerod.
1188 zogen auf Bitten des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg 12 Himmeroder Mönche unter Abt Hermann auf den Petersberg bei Königwinter. Die Mönche gründeten dann unten im Tal das Kloster Heisterbach. Von Heisterbach aus kam es 1212 zur Gründung des Tochter- bzw. Enkelklosters -> Marienstatt im Westerwald.
Dank der großen Akzeptanz Himmerods wuchs der Besitz des Klosters durch Schenkungen und Übertragungen. Die vorbildliche Organisation der verzweigten Grundherrschaft verhalf dem Eifelkloster zu hoher materieller Blüte. Der vom Orden penibel vorgeschriebene Grundsatz des Eigenbetriebs wurde ab 1208 zunehmend aufgeweicht und die Verpachtung wenig effektiver Liegenschaften zunehmend geduldet.
Nach einer Bestätigungsurkunde 1219 von Papst Honorius III. umfassten die monastischen Liegenschaften Winterbach, Affolderbach/Speyer, Miesenheim/Andernach, Siebenborn/Bernkastel-Kues, Mulbach, Gelsdorff, Rodenbüsch, Altenhof/Willich sowie Haus- und Landbesitz in Speyer, Leutesdorf, Koblenz und Umgebung, Kaimt, Enkirch, Ürzig, Zeltingen, Rachtig, Graach, Kesten, Köln, Bonn und Trier. Dank dieser reichen Grundausstattung verfügte Himmerod 1224 über 12 Grangien, die unter päpstlichen Schutz genommen wurden. Zwischen Mittelmosel, Lieser und Kyll entstand eine geschlossene Grundherrschaft.

0.3.Bauboom im Barock

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erfaßte die Klöster im beginnenden Barock ein wahrer "Bauwurmb". Auch Himmerod wurde davon ergriffen. Wenn auch der Konvent noch unter den ökonomischen und finanziellen Spätfolgen der wiederholten Plünderungen litt, unter Abt Robert Bootz (1685-1730 Himmerod) gelang erfolgreich die Sanierung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Insbesondere im baulichem Bereich entwickelte er zahlreiche Initiativen bzw. vollendete längjährige Projekte wie die Vollendung des Klosterneubaus, den Abt Matthias IV. Glabus bereits 1640 begonnen hatte. Abt Bootz beendete 1686 den Neubau des Krankenhauses 1686. Dessen Kapelle wurde restauriert sowie eine Kapelle errichteet zu Ehren des seligen David von Florenz (1179), Mitglied des Himmeroder Gründungskonvents. Weiterhin entfaltete Bootz zahlreiche Bauaktivitäten im Bereich der Himmeroder Klosterhöfe.

Im Gegensatz zu anderen Klosterführern ließ Abt Leopold Camp (1731-1750) das romanische Gotteshaus nicht in den dominierenden Barock umwandeln, sondern wagte einen fulminaten Neubau. Am 10. Oktober 1751 erfolgte die Weihe.

Die Besetzung des Rheinlandes durch französische Truppen im September 1794 zog eine Neuorganisation der Verwaltungsstruktur nach sich. Im April 1798 lebten neben dem Abt noch 19 Mönche im Konvent. Wie die anderen linksrheinischen Klöster wurde auch Himmerod aufgehoben. Im Protokoll über die Auflösung der Abtei vom 26. Juli 1802 sind der Abt und 24 Priester geführt, sowie ein Laienbruder aus der Schweiz.

0.4.Nachnutzung und späteres Schicksal

Im Sommer 1794 wurde eine der ältesten sakralen Bauwerke an der Mosel, der Trierer Dom, wurde nach dem Einzug der französischen Heere ausgeraubt und profaniert. Ende 1801 die Kurie den Dom zurück.

Angesichts des ausgeplünderten Gotteshauses machte der abgesetzte Himmeroder Abt Anselm von Pidoll (1802-1816) den künftigen Bischof Karl Manney auf das Inventar seines aufgelassenen Klosters aufmerksam. Da für die Inthronisation des neuen Oberhirten am 26. September 1802 noch Hochaltar und Thron fehlten, entschloss man sich, auf Himmeroder Exponate zurückzugreifen. So wurden der dortige Altar (15 Fuß hoch, 13 Fuß breit) und ein Thronsitz, beides Arbeiten des Himmeroder Laienbruders Leonhard Rosenast von 1781, in die Moselstadt transportiert. Der Hochaltar wies eine Säulenstellung mit Gesims auf, in deren Mittelfeld ein Gemälde mit der Himmelfahrt Mariens stand. Die Mensa, in Sarkophagform aus Eichenholz, trug an der Vorderseite ein Rankenornament, über dem Antipendium in der Mitte ein halbkreisförmiger Tabernakel mit einer kreuzgeschmückten Kuppel. Um 1850 wurde der Aufsatz entfernt; er ist seither verschollen. Der Himmeroder Pontifikalsitz (3,85 hoch, 4 m breit), in klassizistischen Formen, stand seit 26. September 1802 als Bischofsthron an der Nordwand des Ostchors des Doms. Die in drei Felder aufgeteilte Rückwand war geschmückt mit priesterlichen, bischöflichen und päpstlichen Insignien zwischen reich vergoldetem Rankenwerk. Ohne Vergoldung und mit einfachen Ornamenten diente das Gegenstück als ehemaliges Faldistorium. Dieser Sitz diente beim Trierer Besuch Napoleons am 6. Oktober 1804 als Kaiserthron.

0.5.Himmeroder Beichtstühle im Trierer Dom

Der Trierer Dom erhielt weiterhin sechs Beichtstühle im Rokokostil. Fünf fanden im Gotteshaus Aufstellung im nördlichen Seitenschiff, im Westchor und im (vermauerten) Portal zur Liebfrauenkirche. Der sechste Beichtstuhl ist abgängig.

Aus der Himmeroder Kirche kamen im Juni 1803 mehrere „überaus schöne Altarblätter“ und das wertvolle Chorgestühl aus Nussbaum nach Trier. Über deren weitere Verwendung liegen keine Informationen vor. Sehr wahrscheinlich kam die Barockkanzel nach St. Paulin. Die beiden Seitenaltäre St. Nikolaus und St. Walburgis hatte Bruder Leonhard Rosenast auf Bestellung des Stiftskapitels von St. Paulin entworfen und ausgeführt. Sie standen also nicht – wie einst vermutet - früher in Himmerod.

0.6.Hl. Grab nach Spangdahlem

1643 gab Abt Matthias Glabus für die romanische Kirche den Auftrag für eine Grablegungsgruppe aus rotem Sandstein. In der Literatur wird wiederholt darauf hingewiesen, dass deren Aufstellung in der barocken Kirche nicht belegt ist. Diese Hinweise sind nicht richtig, denn Schneider verwies  bereits 1976 auf die von Glabus erstellte Gruppe im südlichen Seitenschiff der Himmeroder Kirche. Heute stehen die früher lebensgroßen Gestalten in der Friedhofskapelle in Spangdahlem (Kreis Bernkastel-Wittlich). Wegen der geringen Höhe der dortigen Nische waren die Figuren bei der Aufstellung verkürzt worden.
Auf einem Seitenaltar in Seinsfeld (Kreis Bernkastel-Wittlich) befindet sich eine Sandsteinfigur Mariens mit dem göttlichen Kind, die früher in der Nische über dem Himmeroder Kirchenportal gestanden haben soll. Bischof Manney verschenkte 1804 eine spätgotische Turmmonstranz an die Pfarrei Mannebach, Kreis Saarburg; Manderscheid erhielt eine barocke Strahlenmonstranz.
Ein spätgotisches, überlebensgroßes Kreuz aus Eichenholz hängt in der Pfarrkiche zu Eisenschmitt.

Empfohlene Zitierweise

Bernd, Brauksiepe: Großlittgen - Kloster Himmerod. Geschichtlicher Abriss. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/eifel-ahr/grosslittgen-kloster-himmerod/geschichtlicher-abriss.html> (Letzter Aufruf: 19.07.19)