Verfassungsordnung Stift Liebfrauen (Oberwesel)

Ständische Verhältnisse, Einzugsbereich

Als Kanoniker sind häufig Angehörige von Oberweseler Familien nachzuweisen. (Siehe hierzu Pauly S. 316f., sowie S. 382-399 die Namen von Kanonikern.)

Dignitäten und Ämter

Im Unterschied zu dem anderen Oberweseler Stift, dem 1303 errichteten St. Martin, welches einen Propst und einen Dekan erhielt, hatte das Liebfrauenstift zunächst nur die Dignität des Dekans, der bei der Gründung 1258 den Kanonikern übergeordnet worden war. Erzbischof Balduin von Trier führte im Jahre 1339 eine Stiftsreform durch, wobei er, um das Ansehen des Liebfrauenstifts zu erhöhen, in dessen Kapitel die Ämter – nicht Dignitäten - des Kustos, des Scholasters und des Kantors einführte. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts finden sich als Dekane nicht mehr nur Angehörige von Familien des Oberweseler Adels, den Burgmannen von der Schönburg, sondern vermehrt auch Kleriker, die auch an anderen Stiften des Trierer und Mainzer Sprengels Pfründen besaßen und primär im Dienst der kirchlichen Verwaltung tätig waren. Die in den Satzungen von 1258 und 1339 festgelegte strenge Residenzpflicht und Hauptverantwortung für die Ausübung der Seelsorge im Pfarrbezirk war so natürlich nicht immer gewährleistet. Ernannt wurde der Dekan nach den Statuten von 1258 durch den zuständigen Archidiakon von Karden, seit 1339 durch den Erzbischof von Trier. Zu den einzelnen Ämtern siehe Pauly S. 319f. (Kustos), 320 (Kantor), 320f. (Scholaster), 321 (Vizedekan), 321f. (Fabrikmeister), 322f. (Präsenzmeister), 323 (Punktator und Senior des Kapitels). Weiterhin S. 323-327 zu den Vikarien und Altarpfründen, sowie S. 399-413 die überlieferten Namen von Vikaren und Altaristen.)

Zahl der Mitglieder

Das 1258 an der Pfarrkirche Liebfrauen eingerichtete Kollegiatstift hatte einen Dekan und sechs Kanoniker. Fünf Vikare werden erstmals 1299 genannt. 1339 wurde das Kapitel noch um die Ämter des Kustos, des Kantors und des Scholasters erweitert. 1550 ist die Rede von 6 Kanonikern und 20 Vikaren. Nach einem Nachlassen der Disziplin wurde 1576 die Zahl der Kanoniker von sechs auf vier reduziert.

Empfohlene Zitierweise

Schmid, Reinhard: Oberwesel - Stift Liebfrauen. Verfassungsordnung. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/mittelrhein-lahn-taunus/oberwesel-stift-liebfrauen/verfassungsordnung.html> (Letzter Aufruf: 17.09.19)