Die Gottesdienste der Ordensgemeinschaft fanden in der ersten Zeit in der nahegelegen Pfarrkirche St.Ignaz statt. Am 21.9. (Wagner/Schneider und Kartels nennen 16.9.)1621 wurde mit der Grundsteinlegung, die der Mainzer Weihbischof Stephan Weber (1570/1622) vornahm, mit dem Bau einer eigenen Klosterkirche begonnen. An Weber, der ohnedies ein Wohltäter der Mainzer Kapuzinerniederlassung war,  erinnerte später ein Gedenkstein in der Kapuzinerkirche (s.u.). Finanzielle Unterstützung erfuhr die Gemeinschaft durch den Mainzer Erzbischof und das Domkapitel. Arens nennt als Gönner auch den Organisten der Stiftskirche Liebfrauen, den Kaiser und den Erzbischof von Köln. Innerhalb der Stadt Mainz gingen für den Bau der Kirche 2689 fl. ein; außerhalb der Stadt wurden 1495 fl. gesammelt. Zur Verwendung kamen beim Bau der Kirche auch die durch Beschluss des Vikariates vom 11.4.1622 überlassenen Steine der 1622 abgebrochenen alten St. Nikomedeskirche. Die gewestete Kirche maß 39 m in der Länge und 14 m in der Breite und war damit die kleinste der Mainzer Kirchen. Der Standort lag etwa im Gebiet der heutigen Kapuzinerstraße 21-21 b. Am 11.5.1625 erfolgte die Konsekration der betont schlicht gestalteten Kapuzinerkirche durch den Mainzer Weihbischof Ambrosius Seibäus (1623/1644). Die Kapuzinerkirche war die kleinste der Mainzer Klosterkirchen. In ihr befanden sich nach Arens drei Altäre. Der Hochaltar wird als freistehend bezeichnet, weil sich dahinter der Mönchschor befand. Aus einer Urkunde, die dem im Jahr 1806 aufgefundenen Grundstein beigefügt war, geht hervor, dass der Hochaltar der Dreifaltigkeit, dem Erzengel Michael und dem hl. Franziskus geweiht war. Ein Nebenaltar war Maria, Bilhildis und Elisabeth geweiht.
Der Mönchschor, der ein Kreuzgewölbe trug, lag hinter dem Altarraum. An der südlichen Langwand befand sich die Kanzel.
Prälat Adam Freysbach vermachte der Kirche 1651 ein Bild der hl. Cäcilia und ein Kruzifixbild.
Bereits 1661 wurden an der Kirche Wiederherstellungsarbeiten vorgenommen, bei denen unter anderem neue, mit den Wappen der Stifter gezierte Fenster geschaffen wurden. Stifter waren Kurfürst Johann Philipp von Schönborn, Domherr und Reichsvizekanzler Wilderich von Walderdorff, Domherr Johann Wilhelm Metternich von Gracht, Domherr Franz Friedrich Walbott von Bassenheim, Vizedom Heinrich Brömser von Rüdesheim, Ritterordenshauptmann Johann Franz von Dalberg, der kaiserliche Postmeister Johann Konrad Gedult, der praefectus violentiarum Johann Martin Groshans, der Dekan des Kollegiatstifts St.Peter, Johann Remaclus Hirach[Anm. 1]. Das linke Chorfenster war eine Stiftung des Zollvorstehers Heinrich Christian Dictes, das rechte wurde gestiftet durch den Pfarrer von Kastel und Vikar des Kollegiatstifts St.Peter, Jakob Niemand.
Im Zusammenhang mit der Renovierung erwähnt Arens die Stiftung eines Hochaltars durch den Mainzer Kaufmann Peter Bourny und seine Frau Susanne. Im Sterbeeintrag im Kirchenbuch der Dompfarrei (16.8.1695) wird Peter Bourny (hier geschrieben Bornier) als „vir pius et devotus“ bezeichnet. Seine Gattin Susanna war bereits am 6.11.1689 verstorben.
1668 befahl das Ordenskapitel der Kapuziner die Errichtung eines Gitters im Chor der Kirche. Bis zu diesem Zeitpunkt bildete nach Arens die Kommunionbank die Trennung zwischen Chor und Schiff.
Die am 1.4.1672 durch Weihbischof Wolther Heinrich (Henriques) v. Strevesdorff (1634/1674) geweihten Seitenaltäre wurden auf die Patrozinien Verkündigung Mariä und Antonius v. Padua bzw. zu Ehren des hl. Josef und Franziskus konsekriert.

Für das Jahr 1746 erwähnt Arens Renovierungsarbeiten. Eine Neugestaltung des Chors (Täfelung, neues Chorgestühl) wird von Arens auf das Jahr 1753 datiert[Anm. 2].

E.Moßmaier erwähnt eine durch eine Frau Kaemerer, geb. Mathaei, gemachte Stiftung von 1000 fl. zum Bau einer Antoniuskapelle, die 1765 mit Zustimmung des Erzbischöflichen Vikariates umgewidmet wurde. In den Mainzer Kirchenbüchern findet sich der Hinweis auf eine Maria Helena Kaem(m)erer, geb. Mathaei, Ehefrau des Hofgerichtsrates Ignaz Kaem(m)erer, die kinderlos am 23.12.1761 verstorben war. In der Sterbeeintragung ist hinzugefügt „zu den Kapuzinern“, was auf eine enge Beziehung zu dem Orden hindeutet.
Der Bau der projektierten Kapelle war aus finanziellen Gründen nicht zu verwirklichen; auch bezeichnete der Guardian, so Arens, die Kirche zu diesem Zeitpunkt als ruinös.
Der Betrag wurde nach seiner Umwidmung zur Errichtung weiterer Altäre, darunter eines Antoniusaltars, verwendet. Gleichfalls in die Errichtung der Altäre flossen nach E.Moßmaier die Mittel einer 1767 in Höhe von 1500 fl. gemachten Stiftung des Wirtes Zum Englischen König, Theodor Thraen (getauft 5.5.1698, beerdigt 2.1.1770), die er 1769 indes teilweise aber wieder zurückzog und angab, er habe nie mehr stiften wollen als 500 fl. und ein Fuder Wein. Es konnte jedoch eine Vereinbarung auf die Zahlung von 650 fl. und einem Fuder Wein getroffen werden[Anm. 3]. Dennoch schien die Finanzierung der neuen Altäre gefährdet. Gesichert wurde sie schließlich durch das Vermächtnis des Klerikers fr. Servatius aus Frankfurt, der 100 Rtl. vermachte, die durch seinen Vater, den Architekten Johann Therbu, zur Auszahlung kamen[Anm. 4].

Die Entstehungszeit des Hochaltars wird auf 1766-1768 datiert; geschaffen wurde er von dem Mainzer Kunstschreiner Johann Michael Henle sowie dem Kapuzinerbruder Engelbert von Würzburg[Anm. 5]. Teile des Hochaltars kamen nach dem Abbruch der Kapuzinerkirche nach 1806 in die katholische Kirche von Mommenheim. Wegen der geringen Deckenhöhe wurde allerdings der Aufbau des Hochaltars entfernt.
Auch die übrigen Altäre wurden durch Henle gefertigt; die Bilder auf den Seitenaltären fertigte Georg Joseph Melbert (begr. 9.7.1797 St.Ignaz). Johann Michael Henle, der 1769 in die Schreinerzunft aufgenommen worden war, war ausgewiesener Spezialist für den Bau von Altären.
Am 30.6.1768 wurden in der Kapuzinerkirche fünf Altäre geweiht: der Hochaltar (Dreifaltigkeit, Christus, Unbefleckte Empfängnis, Erzengel Michael, Allerheiligen), zwei Seitenaltäre auf der Evangelienseite (Judas Thaddäus und Fidelis sowie Franziskus) und zwei Altäre auf der Epistelseite (Nikolaus und Felix sowie Antonius).
Um diese Zeit entstand auch eine neue Kanzel.
Diese fünf Altäre finden sich auch in der Reisebeschreibung des P. Melchiades von Gescher nach Rom erwähnt, der die Kirche als schlicht bezeichnet.
Ein weiterer Altar im Kirchenschiff, ebenfalls eventuell von Henle gefertigt, war Seraphin von Montegranaro, Patron der Maurer, geweiht. F.Arens verweist in diesem Zusammenhang auf die Stiftung eines Altars für die Bauleutezunft durch den Stuckateur Johann Peter Metz und nimmt an, dass es sich um den genannten Seraphim-Altar gehandelt hat.
Für das Jahr 1775 erwähnt F.Arens auch die Wiederherstellung eines Heiligen Grabes und für das Jahr 1792 den  Guss einer Glocke.

Zwischen 1690 und 1702 beherbergte die Mainzer Kapuzinerkirche das Gnadenbild aus der Wormser Liebfrauenkirche.

Die Kirche wurde 1793 bei Beschießung der Stadt Mainz stark beschädigt.

 

Der Grundstein der Kirche wurde am 18.6.1806 bei Abbrucharbeiten wieder gefunden. Nach der Beschreibung Schaabs trug er das Wappen des Erzbischofs / Kurfürsten Johann Schweickard von Kronberg. In einer darunter befindlichen 5 Zoll breiten und 1 Zoll tiefen Höhlung befand sich ein 4 Zoll langes und ¾ Zoll breites Glastäfelchen mit der Inschrift:
16 + 21 / Joannes Svicardus / D.G. Argieps [=archiepiscopus]/ Mog. sacri Rom. Imperii per / Germaniam archicancellarius, / Princeps elector / fundator templi R.R. P.P. capucino/rum anno repar/atae salutis 1621 /16.Septemb. regiminis 17, aetatis vero 69[Anm. 6]. Ebenso befand sich in der Höhlung des Grundsteins eine silberne Medaille von der ungefähren Größe eines kleinen Talers. Sie zeigte auf der einen Seite das Aschaffenburger Schloss, auf der anderen das Porträt des Erzbischofs. Die Medaille, die den Wert eines halben Gulden besaß, ging verloren[Anm. 7].

Weiter fanden sich nach K.A.Schaab bei den Abrissarbeiten Platten mit den Darstellungen der Wappen der 24 Domkapitulare, Darstellungen der Stiftsheiligen sämtlicher 1621 existierender Mainzer Kollegiatstifte, sowie Darstellungen weiterer Wappen. Von diesen Wappen konnten 1806 nur noch die des Weihbischofs Stephan Weber und seines Bruders sowie das des Weihbischofs Seibäus eindeutig identifiziert werden. Die übrigen konnten nicht zugeordnet werden; Schaab vertritt die These, dass es sich um Wappen von Wohltätern des Klosters gehandelt haben könnte.

Ein weiterer Fund war der sog. Albansstein (heute im Dommuseum). Die Interpretation der Darstellung war im 19.Jh. umstritten.

Überliefert ist auch eine Bauinschrift der Kapuzinerkirche aus dem Jahr 1624:

D.O.M. Ac honori S. Michaelis Archangeli primum huius aedis sacrae lapidem posuit ad eadem erigendam magnam impensarum partem volens, libens gratuito de suo contulit Rmus in Christo Pater er Dnus [über nus Strich], Stephanus Weberus Episcopus Misensis et Suffraganus Moguntinus; cuius memoriaem ceu optime meriti de Patribus Capucinis B. Francisci ut consulatur, et precibus assidue fuit Deo cujus anima commendetur tabulam hanc poni curvit Stephanus Weberum Ss Theologiae Doctor, Ecclesiae B. Mariae ad Gradus Decanus, et ad B. Victorem Canonicus, Patrus. opt.: Nepos Susceptori a sacro fonte filius. Anno Salutis M.D.C. XXIV. Gott dem Besten und Größten und zu Ehren des hl. Erzengels Michael legte den ersten Stein zu diesem heiligen Gebäude und trug freiwillig und ohne besondere Veranlassung zu seiner Errichtung einen großen Teil der Kosten bei der Hochwürdige Vater in Christus und Herr, Herr Stephan Weber, Bischof von Mysien und Mainzer Weihbischof. Damit sein Andenken als eines um die Kapuzinerpatres des hl. Franz hochverdienten Mannes gepflegt und durch ständiges Gebet seine Seele Gott empfohlen werde, ließ diese Tafel setzen Stephan Weber, Dr.theol., Dekan der Kirche Maria ad gradus, kanoniker an St.Viktor. dem besten Onkel der Neffe, dem Taufpaten das Taufkind 1624[Anm. 8].

An Bildwerken nennt F.Arens eine Aloysiusfigur (1778) und zwei Christusfiguren aus Holz bzw. Elfenbein (erwähnt 1802), mehrere Statuen und eine hölzerne Darstellung des hl. Antonius v. Padua, die in die Kirche von Mommenheim kam[Anm. 9].

Die neue Kapuzinerkirche wurde 1901 geweiht.

 

Anmerkungen:

  1. Vgl. Arens Kirchen, S. 448 Zurück
  2. Vgl. Arens, Kirchen, S.450 Zurück
  3. Arens, S. 91 Zurück
  4. Arens, S. 92 Zurück
  5. Vgl. Denkmaltopographie Nierstein-Oppenheim 18.3, S. 120; Inventar Zurück
  6. Vgl. Mainzer Inschriften, Nr. 1453 Zurück
  7. Vgl. Mainzer Inschriften, S. 658 Zurück
  8. Mainzer Inschriften Nr. 1467 Zurück
  9. Arens Kirchen S. 450 Zurück

Empfohlene Zitierweise

Martina Rommel: Mainz - Kapuziner. Kirche. In: Klöster und Stifte in Rheinland-Pfalz, URL: <http:⁄⁄www.klosterlexikon-rlp.de/rheinhessen/mainz-kapuziner/kirche.html> (Letzter Aufruf: 20.07.19)